Abschaffung
des Euro - Wiedereinführung der DM? Eine
Gemeinschaftswährung ohne einheitliche Steuer-, Sozial-
und Wirtschaftspolitik kann nicht funktionieren!
Experten
sagten dies von Anfang an, also seitdem überhaupt die
Schnapsidee vom Euro publik wurde. Aber
müssen sich Politiker an die Gesetze der Logik halten?
Nein, sie müssen nicht! Denn sie repräsentieren
die Macht. Selbst in einer Demokratie
können sie weitgehend schalten und walten wie sie
wollen (vor allem, wenn sie sich mit der Opposition
verbünden). Eine Einmischung des Bürgers ist nicht
zu fürchten, wenn (wie in Deutschland) bundesweite
Volksentscheide
verfassungsrechtlich nicht vorgesehen sind. Nun
haben wir also in Europa genau das Dilemma, was zu erwarten
war!
Griechenland
ist nahezu zahlungsunfähig, aber auch andere
Wackelkandidaten lassen Schlimmes ahnen. Kluge
Regierungen haben dieses absehbare Debakel vermieden, indem
sie gar nicht erst den Euro einführten. Europas
Musterschüler Deutschland gehörte jedoch zu den
Gründungsvätern, obwohl die DM als
angesehenstes Zahlungsmittel der Welt galt. Von
vornherein hat man vermutlich darauf vertraut, das "reiche"
Deutschland, Frankreich, Österreich und die
Benelux-Länder könnten im Notfall mit
Bürgschaften schwachen Staaten beispringen. Abschaffung
des Euro? Politiker
versuchen derweil zu retten, was zu retten ist. Noch hofft
man, mit Kreditzusagen die brodelnden Finanzmärkte
beruhigen zu können. Griechenland soll für drei
Jahre an den Tropf bzw. unter die Obhut der
Euro-Partnerländer ("Bruderstaaten") gestellt werden,
die in dieser Zeit die fälligen Staatsanleihen gegen
angemessenen Sonderzins (5 %?) zur Verfügung
stellen. Damit
tritt für Griechenland sicher erst einmal Ruhe ein, der
freie Geldmarkt bzw. die Spekulanten werden aus diesem Deal
ausgesperrt. Vorerst
mag das griechische Problem gelöst sein. Aber
dafür stehen die anderen PIGS-Staaten zunehmend im
Fokus der Finanzmärkte. Die Haushaltsdefizite sind in
diesen Ländern immer noch atemberaubend - deren
Kreditbedarf wird also weiter steigen. Das bedeutet
zwangsläufig erhöhte Risikoaufschläge. Wenn
die Haushaltsdefizite sich dort nicht bald spürbar
verringern, wird man das Problem kaum noch in den Griff
bekommen - der gefürchtete Dominoeffekt tritt
ein. Denn
leider befinden sich auch die einst starken Euro-Länder
(Deutschland, Frankreich, Benelux, Österreich) in
Schwierigkeiten. Auch dort müssen wegen gigantischer
Haushaltslöcher die Ausgaben heruntergefahren werden
(was die wirtschaftliche Erholung
gefährdet). Wie
will man aus dieser Zwickmühle wieder
herauskommen? Abschaffung
des Euro? Wie
will man existentielle Probleme lösen, wenn unangenehme
Wahrheiten weiterhin verdrängt werden? Noch
immer heißt es süffisant, "Wir Deutschen
profitieren vom Euro". Dabei ist doch bekannt, dass mit
Einführung dieser Multikulti-Währung die
Reallöhne und Renten weiter gesunken sind und die
Probleme auf dem Arbeitsmarkt sich nochmals verschärft
haben. Nur einer überaus geschickten Bilanzkosmetik ist
es zu verdanken, dass die Behörden statt
tatsächlicher zehn Millionen offiziell 3,4 Millionen
Arbeitslose
vermelden können. Wie
kann man angesichts dieser Katastrophe weltfremd vom
"Profitieren" reden? Was soll dieser unverschämte
Zynismus - hat man überhaupt keinen Respekt mehr vor
der Wahrheit bzw. dem Wähler? Immer
noch wird auch die Mär
vom Exportweltmeister
verbreitet, immer noch heißt es, Deutschland stellt
viel mir her, als es verkonsumiert. Diese angeblichen
Exportüberschüsse
stehen doch alle nur auf dem geduldigen
Papier,
davon hat kein Normalbürger etwas. Man braucht nur in
ein großes Kaufhaus zu gehen um zu sehen, dass kaum
noch etwas im eigenen Land hergestellt wird. Wenn
Deutschlands Grundproblem die Überproduktion wäre,
bräuchten nur die Arbeitseinkommen angehoben werden
(damit wäre der Überhang schnell abgebaut).
Spätestens dann würde erkannt, wie unsinnig die
These von der Überproduktion ist. Auch Irland weist
selbst für das Krisenjahr 2009 einen gewaltigen
Handelsbilanzüberschuss aus, der ebenfalls die
tatsächlichen Verhältnisse auf den Kopf
stellt. Abschaffung
des Euro? Selbst
der momentane Wertverlust des Euro wird schöngeredet.
Deutschland müsse den Griechen wegen des schwachen Euro
dankbar sein, weil damit der Export weiter gefördert
wird, heißt es vielversprechend. Aber wozu bitte eine
weitere Exportsteigerung, wenn wir ohnehin schon einen
übertriebenen Handelsbilanzüberschuss ausweisen?
Je mehr Exportüberschuss, desto besser? Ist das die
Devise? Ein
niedriger Euro bedeutet im Umkehrschluss höhere Preise
für Importe, also auch für Rohstoffe. Profitiert
Deutschland wirklich davon, wenn es künftig mehr Geld
für Öl und Gas ausgeben muss? Abschaffung
des Euro? Das
Griechenland-Desaster macht wieder einmal klar, was
eigentlich selbstverständlich sein sollte: Ein
souveräner Staat braucht seine eigene Währung,
die wirtschaftliche Ungleichgewichte automatisch durch Ab-
oder Aufwertungen ausgleicht. Nur die eigene Währung
sorgt gewissermaßen für eine Korrektur
vorangegangener Fehlentwicklungen. Griechenland
hat seit der Euro-Einführung über seine
Verhältnisse gelebt, die Löhne sind zu stark
angestiegen (wodurch die Wettbewerbsfähigkeit sank) -
die regelmäßigen großzügigen
EU-Transferzahlungen konnten diesen Übermut nicht
ausgleichen. Der
Euro gestattet lediglich eine Sozialisierung langjährig
aufgebauter Missverhältnisse - die Euro-Gemeinschaft
wird in die Pflicht genommen (auch wenn sie selbst vor
ungelösten Problemen steht). Durch
dieses mauschelige Verallgemeinerungsprinzip erfolgt keine
Lösung der Grundsatzprobleme, sondern lediglich eine
Verdrängung derselben. Der Reformstau wächst, die
Gefahr einer globalen Staatsschuldenkrise nimmt dramatisch
zu. Abschaffung
des Euro? Vielleicht
bleibt in der akuten Notlage tatsächlich den
Eurostaaten nichts anderes übrig, als auf die Schnelle
die Wogen zu glätten und Griechenland Geld zu leihen.
Dennoch halte ich dies nicht für eine praktikable
Dauerlösung. Letztlich
führt wohl kein Weg dran vorbei, den Euro wieder
kontrolliert aufzulösen. Denn nur ein souveräner
Staat mit eigener Währung hat im globalen
Dumpingwettbewerb langfristig eine Überlebenschance.
Reicht die Kraft oder die Einsicht nicht für eine
kontrollierte Rückabwicklung, wird es eines Tages zu
einem explosionsartigen Zusammenbruch des Euro kommen,
dessen Folgen verheerend sein werden. Als
einzige Alternative für die Abschaffung des Euro gibt
es meines Erachtens nur den Einheitsstaat (ein Volk, ein
Reich, ein Euro). Nur wenn in allen Eurostaaten völlig
gleiche Wettbewerbsbedingungen herrschen (gleiche Steuern,
gleiche Arbeitsschutzgesetze, gleiche Umweltauflagen,
gleiche Bildungssysteme, gleiche Gesetze und
Gesetzgebungsverfahren - folglich auch gleiche Löhne,
Renten und Sozialsysteme), nur dann wären die
Voraussetzungen für eine Einheitswährung
geschaffen. Aber
eine solche Vereinheitlichung scheint zumindest aus heutiger
Sicht utopisch, es genügt nicht, allein
in Deutschland jeglichen Patriotismus zu
unterbinden,
auch die anderen Länder müssten ihren über
Jahrtausende gewachsenen Nationalstolz ablegen. Ob
dann eine echte Supermacht Europa, die Vereinigten Staaten
der EU, erfolgreicher agieren würde, bleibt fraglich.
Denn ein Riesenreich ist nun einmal schwieriger zu verwalten
und zu regieren, zumal wenn ein Dutzend verschiedener
Amtssprachen und Mentalitäten
aufeinandertreffen. Der
Euro und die Spekulanten Nun
wird im Falle Griechenland einmal mehr den Spekulanten die
Schuld zugeschoben. Der rasante Zinsanstieg für
griechische Staatsanleihen sei rein spekulativ, da sich die
wirtschaftliche Lage Griechenlands doch kaum verändert
habe. Leider
verdrängt eine solch populistische Interpretation schon
wieder die Wahrheit. Denn erstens sind die niedrigen Zinsen
der Vergangenheit lediglich auf die falschen
(betrügerischen) Angaben seitens der damaligen
griechischen Regierung zurückzuführen - und
zweitens führt das neue Zahlenmaterial und das
zerstörte Vertrauen natürlich zu höheren
Risikoaufschlägen. Wer möchte einem maroden Staat
schon gerne Geld leihen, wenn es keine
Rückzahlungsgarantie mehr gibt? Die
Tage des Euro sind gezählt... Das
Vertrauen der Kapitalmärkte in den Euro ist durch die
Griechenland-Krise nachhaltig gestört.
Nunmehr
haben auch die großen Geldverleiher begriffen, dass
eine Einheitswährung völlig unterschiedlicher
Staaten widernatürlich ist und ganze Volkswirtschaften
ruinieren kann.
Entsprechend werden die Zinsraten für die
Staatsanleihen der Euro-Staaten weiter ansteigen - bis sie
schließlich unbezahlbar werden und das seltsame
Konstrukt auseinanderbricht. Der
Euro wird für weltweite Turbulenzen sorgen und auch die
Aktienmärkte und die Weltwirtschaft erschüttern.
Das alles hat aber wiederum nichts mit schnöden
Spekulantentum zu schaffen - es handelt sich dabei vielmehr
um einen logischen Regenerierungsprozess: Der Euro und
eigentlich die gesamte EU (in ihrer jetzigen Form) sind
wider alle Vernunft und marktwirtschaftlichen Gesetze, das
kann nun einmal auf Dauer nicht gutgehen. Lesen
Sie weiter: Das
letzte Aufbäumen - der Euro vor dem Fall Kommentar
zu diesem Artikel (Nr. 813) abgeben? Home
(Eingangsseite
www.das-kapital.eu mit Menueleiste) ©
Manfred J. Müller, Flensburg, April 2010
Jetzt ist es allerdings so, dass auch die anderen
schwächelnden PIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland,
Spanien) mit hohen Milliardensummen sich für
Griechenland verbürgen sollen. Damit werden diese
bereits angezählten Länder zusätzlich
belastet, die Rating-Agenturen werden weitere Abstufungen
vornehmen, wodurch deren staatliche Zinslasten
steigen.
Der
Euro - ein Fass ohne Boden!
Schluss
mit der Lügenpropaganda!
Profitiert
Deutschland vom Kursverfall des Euro?
Nicht
nur Griechenland braucht eine eigene
Währung!
Vor der Einführung des Euro hat die griechische Drachme
mangelnde Disziplin beim Geldausgeben durch eine Abwertung
bestraft - dieser Korrekturmechanismus fehlt jetzt.
Ohne
Euro wären alle Euroländer besser
dran!
Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche
Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige
Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Er entwickelte
neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue
Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in
wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten.
Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a.
"Das
Kapital und die
Globalisierung".