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Aber
Deutschland lebt doch vom Export...!
von
Manfred J. Müller
Trotz
weltweiter Finanz- und Wirtschaftskrise wollen viele
Journalisten und Politiker immer noch nicht die Wahrheit
sehen. Sie verbreiten ungerührt weiterhin die
unaufrichtige Parole, dass Deutschland auf eine extrem hohe
Exportquote angewiesen sei und dies auch nicht mehr
ändern könne. Denn schließlich
müsse das Land seine Energieimporte doch irgendwie
bezahlen.
Doch
diese Argumentation ist im höchsten Maße verlogen
und unseriös. Aus folgenden Gründen:
1.
Die
derzeitigen Importe an fossilen Brennstoffen und anderer
Rohstoffe machen nicht einmal ein Zehntel unserer
Gesamteinfuhren aus.
Sie
könnten also selbst dann noch finanziert werden, wenn
unser Export um 90 % verringert würde.
2.
Die
noch bestehende starke Abhängigkeit von Energieimporten
könnte durchaus aufgelöst
werden.
Denn
die alternative Energieerzeugung wird immer
leistungsfähiger, Deutschland verfügt zudem
über riesige Kohlevorkommen und über
eine
höhere
Energiesteuer
(die
zur Senkung der Sozialversicherungsbeiträge verwendet
werden könnte) könnte der gigantischen
Verschwendung fossiler Brennstoffe Einhalt geboten
werden.
Dass
wir also das überdimensionierte Exportvolumen brauchen,
um unsere Rohstoffimporte zu finanzieren, entpuppt sich
schnell als faustdicke Lüge.
Aber auch noch in anderer Hinsicht wird das Volk
verdummt.
3.
Der Abschied vom Globalisierungswahn bedeutet nicht Verzicht
auf den Welthandel!
Warum
wird immer noch so getan, als sei der Abbau der
Exportabhängigkeit gleichbedeutend mit einer
Abschottung?
Auch vor der Globalisierung (also vor der Abschaffung der
Zollgrenzen) hat Deutschland einen lebhaften
Außenhandel betrieben. Niemand will den Welthandel
abschaffen, was soll das dumme Gerede! Es geht lediglich
um eine Normalisierung.
Die
internationale
Arbeitsteilung
wurde
zur Perversion getrieben. Es ist nicht einmal markttechnisch
sinnvoll, die Bauteile einer elektrischen Zahnbüste in
15 verschiedenen Staaten fertigen zu lassen (wie es heute
leider geschieht).
4.
"Exportweltmeister":
Die amtlichen Zahlen stimmen nicht!
Im
Übrigen darf man unseren Exportstatistiken nicht
sonderlich trauen. Denn das, was wir so stolz exportieren,
stammt zu überwiegenden Teilen von ausländischen
Zulieferern. Uns werden Exportleistungen und
Wertschöpfungen vorgegaukelt, die nur auf dem Papier
stehen und uns den Kopf verdrehen
sollen.
Mehr
dazu...
5.
Die
Globalisierungstheorie hat sich längst selbst
widerlegt!
Dreißig
Jahre lang wurde dem deutschen Volk eingeredet, dass es als
Exportweltmeister von der Globalisierung besonders
profitiere. Dabei sind in dieser Zeit trotz sensationeller
technologischer Fortschritte (Computer, Mikrochips) und
steter
Produktivitätsverbesserungen
die
realen Nettolöhne deutlich
gesunken.
Vor
dreißig Jahren noch konnte ein alleinverdienender
Handwerker seine vierköpfige Familie ernähren -
heute wäre das ohne staatliche Unterstützungen
nahezu unmöglich. Vor dreißig Jahren brauchte so
gut wie niemand Angst um den Arbeitsplatz haben - heute
zittern selbst die Eliten um ihren Job und es gibt
eigentlich nur noch befristete Arbeitsverträge,
Zeitarbeit oder Minijobs.
Und
dennoch stellen sich auch heute noch Politiker und
Journalisten hin und verkünden lauthals
ihre
abstruse
Globalisierungs-Wohlstandstheorie.
6.
Die
Welt wird uns beweisen, dass sie deutsche Produkte nicht
braucht!
Die
globale Wirtschaftskrise wird die Welt gewaltig
verändern. Trotz aller feierlichen Beteuerungen werden
andere Länder immer mehr dahinterkommen, dass ein
global vernetzter Welt- und Finanzhandel kaum noch zu
bändigen und zu kontrollieren ist. Die Folgen der
daraus herrührenden Spekulationsblasen können
nicht ewig über Steuergelder beseitigt werden - auch
diese Einsicht wird sich durchsetzen.
Schließlich
wird man erkennen, dass Zölle eigentlich nichts
grundsätzlich Böses sind, nur weil sie die
gravierenden Ungleichheiten in der Standortfrage offen und
ehrlich ausgleichen. Letztlich wird gar die Einsicht
triumphieren, dass ein Zoll-Protektionsmus um ein Vielfaches
humaner und marktwirtschaftlicher ist als der praktizierte
verdeckte
Subventions-Protektionsmus.
Und
wenn Deutschland seine Waren nicht mehr im gewohnten Umfang
im Ausland absetzen kann, dann wird man vielleicht auch
hierzulande begreifen, dass es nicht unfein sein muss,
den eigenen Güterbedarf größtenteils
selbst zu erarbeiten und aus eigenen Anstrengungen zu
decken.
Es fällt den Deutschen sicherlich kein Zacken aus der
Krone, wenn sie ihre Waschmaschinen, Fernseher, Computer,
Speicherchips, Handys, ja sogar ihre Hemden und Schuhe
wieder zum Großteil selbst produzieren. Sie haben es
ja bereits einmal vorexerziert. Sie haben es einmal gekonnt,
waren in vielen Bereichen sogar Weltspitze und erarbeiteten
sich durch ihre Vielseitigkeit das
Wirtschaftswunder.
Meine
in diesem Aufsatz dargelegten Ansichten beruhen keineswegs
auf neuen Erkenntnissen, die ich erst angesichts der Krise
gewonnen haben. Schon vor 20 Jahren habe ich mit
ähnlichen Texten vorm Niedergang gewarnt und mich
persönlich an viele Spitzenpolitiker gewandt und um
eine Kursänderung gebeten. Leider nur mit
mäßigem Erfolg.
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Mit
dreisten Verdrehungen wird noch immer versucht, die
Globalisierung schönzureden...
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Viele
prominente Wirtschaftsexperten behaupten immer
noch, dass
die
internationale Arbeitsteilung die Arbeit
effizienter und die Produkte
billiger mache.
Meine
Meinung dazu: Wie kommt man zu solch dreisten
Behauptungen, wie kann man nur so uneinsichtig
sein!
Als
Deutschland noch weitgehend Selbstversorger war,
verdoppelte sich etwa alle 25 Jahre der allgemeine
Wohlstand
(die
realen Nettolöhne). Was nützen scheinbar
"billige" Produkte, wenn die Kaufkraft insgesamt
sinkt?
Eine
sinkende Kaufkraft beweist das genaue Gegenteil von
effizienterer Arbeit und billigeren Produkten. Der
Abbau der Zölle
(die
internationale
Arbeitsteilung)
sorgt also nicht für mehr Wohlstand - es ist
genau umgekehrt.
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Der
Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman
meint: Wenn wir alle Protektionisten werden,
macht das die
schwer
erkämpften Errungenschaften aus 70 Jahren
Handelsgesprächen
zunichte
-
und es könnte Jahrzehnte dauern, dies wieder
zurückzudrehen."
Meine
Meinung dazu: Von welchen "Errungenschaften"
ist hier die Rede? Was versteht der Herr Krugman
unter Protektionismus?
Denn der Protektionismus wurde ja nicht
abgeschafft, sondern nur verlagert (Subventions-
und Währungs-Protektionismus statt
Zoll-Protektionismus).
Zur
Diskussion stehen auch nicht die "Errungenschaften"
der letzten 70 Jahre, sondern die gravierendsten
Fehler der letzten 30 Jahre. Die Zeit also,
die geprägt wurde vom drastischen Abbau der
Zölle und die das globale Dumpingsystem
heraufbeschwor.
Will Herr Krugman diesen Zollabbau tatsächlich
als große Errungenschaft feiern, wo doch die
Löhne seither sinken und die Arbeitnehmer und
Staaten dieser Welt gegeneinander ausgespielt
werden?
Oder
will er gar die Deregulierung der Finanzmärkte
als Errungenschaft preisen, weil diese dann nicht
mehr von den Staaten durchschaut und kontrolliert
werden konnten? Diese Deregulierung
ermöglichte wildeste Manipulationen und
Spekulationen, deren Folgen
letztlich
vom Steuerzahler ausgebadet werden
müssen.
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Nachtrag:
Das
Ausland macht Druck...
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Manfred J. Müller, Flensburg
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Manfred
Julius Müller
analysiert
seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und
veröffentlicht brisante Aufsätze zu den heikelsten
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