Wie verlaufen Finanzkrisen?

Ursachen und Folgen von Finanzkrisen. Wie tief werden wir noch sinken?

Von Manfred Julius Müller

 

Finanz- und Staatsschuldenkrisen entstehen nicht grundlos. Sie sind vielmehr die Folgen einer verfehlten Politik. Ursache der aktuellen Krise ist eindeutig der globale Dumpingwettbewerb, der jegliche Fairness und Moral vermissen lässt. Durch den Abbau der Zölle ist die Welt zum Spielball der Konzerne und des Großkapitals geworden. Wie aber geht es nun weiter. Wie wird der Markt und wie werden unsere Politiker auf diese Herausforderung reagieren?

 

Finanzkrise
Phase
1

Ursachen und Folgen der Finanzkrise: 1. Akt

Eine Blase baut sich auf...
Durch Fehleinschätzung des Marktes und großzügig vergebene günstige Kredite entsteht eine übertriebene Kauflaune. Weil der Vorgang sich schleichend vollzieht, erkennen viele Käufer nicht, dass die Preise für Immobilien oder Aktien eigentlich über das normale Maß hinausgeschossen sind. Man vertraut allgemein darauf, dass ein seit Jahren anhaltender Trend sich weiter fortsetzt.

Im Grunde funktioniert die sich aufbauende Blase wie ein Pyramidenspiel - alles läuft bestens, bis eben eines Tages nicht mehr genug Leichtgläubige nachrücken. Damit ist der Scheitelpunkt der Übertreibung erreicht. Fortan fallen Kurse oder Immobilien bis zum Tiefpunkt.


Was sind reelle Marktpreise - woran erkannt man die Übertreibung?

Verlierer der Spekulationsblase:
1. Jeder, der zum überhöhten Preis etwas kauft, befindet sich verständlicherweise auf der Verliererseite.
Wer 100.000 Euro für ein Haus ausgibt, welches bei einer neutralen Bewertung nur die Hälfte kosten würde, lebt auf einem Pulverfass.
Sobald der Markt dreht, verliert er sein Geld.

2. Banken, die bei fallenden Preisen ihre Hypotheken nicht zurückbezahlt bekommen, zählen ebenfalls zu den Verlierern.
Leidtragende sind im Besonderen die Bankangestellten und Aktionäre.

3. Die Wirtschaft, der Staat und die Bevölkerung, die nach dem Zerplatzen der Spekulationsblase den geborgten Aufschwung mit einer Rezession bezahlen müssen.

 

Gewinner der Spekulationsblase:
1. Der Verkäufer, der seine Immobilien (seine Aktien) in der Hochpreisphase noch rechtzeitig abstoßen konnte.

2. Die Banken, die ihr Geschäftsvolumen durch die Kreditexpansion erhöhen können und somit zumindest zeitweise bessere Renditen einfahren.

3. Die Makler und Banker, die durch den Boom satte Courtagen und Boni einstreichen können.

4. Vorübergehend die Wirtschaft und Gesellschaft, denn durch die sagenhafte Vermögensvermehrung wächst die Neigung zu mehr Konsum und zusätzlichen Investitionen.

5. Die Regierung, die mit ihrem inszenierten Aufschwung zunächst bei der Bevölkerung punktet.

 

Gewinner und Verlierer:
Viele Marktakteure befinden sind sowohl in der Täter- als auch in der Opferrolle.
Sie konnten ihr Häuschen zu einem überhöhten Preis losschlagen, haben sich dann aber gleichzeitig von dem Erlös ein größeres Haus zugelegt.
Ein netter Gewinn steht somit einem noch höheren Realverlust gegenüber.

Nicht besser ergeht es den meisten anderen Spekulationsgewinnlern.
Für die künstliche Wirtschaftsankurbelung und dem vorgezogenen Konsum wird erst viele Jahre später die Rechnung präsentiert. Aber dann haben viele Spekulanten bereits kräftig abgesahnt und Politiker ihre Profilierungssucht ausgelebt.

Finanzkrise
Phase
2

Ursachen und Folgen der Finanzkrise: 2. Akt

Das Desaster beginnt:
Wenn nun der überhitzte Markt einbricht und die Immobilienpreise (Aktien) fallen, befinden sich urplötzlich vorher gutsituierte brave Bürger in der Schuldenfalle. Ihre Vermögenswerte schmelzen dahin - die Verbindlichkeiten aber bleiben bestehen und können rasch die Habenseite übertreffen.

Hinzu kommt: Das Platzen der Blasen wird in der Regel ausgelöst durch eine allgemeine Verteuerung der Kredite.
Gerade in Ländern, in denen variable Hypothekenzinsen üblich sind (wie in den USA) wirkt sich dies fatal aus: Fallende Häuserpreise gehen einher mit wachsenden monatlichen Belastungen.

Variablen Zins verbieten!
Hypotheken mit variablem Zins gehören meines Erachtens verboten.
Ein variabler Zins ist ein zusätzlicher Spekulationsfaktor.
In Niedrigzinsphasen werden unbedarfte Menschen zu Investitionen verführt, die sie bei 10jähriger Zinsfestschreibung nie tätigen würden.

Hätte die US-Bank 2007 ihre Leitzinsen nicht so überhastet angezogen, wäre es vermutlich gar nicht zur Hypotheken- und globalen Finanzkrise gekommen.

Finanzkrise
Phase
3

Ursachen und Folgen der Finanzkrise: 3. Akt

Die Doppelpackung: Der Zinsanstieg bremst den Konsum, das nachlassende Vermögend-sein-Wohlgefühl ebenfalls.
Wer plötzlich mehr für seine Hypotheken aufbringen muss, kann weniger konsumieren. Und wer feststellt, dass seine ehemalige Guthabenbilanz sich ins Minus verkehrt hat (Verschuldung höher als eigene Vermögenswerte), wird sich bei Neuanschaffungen notgedrungen zurückhalten.
Damit nimmt nun ein Teufelskreis seinen verheerenden Lauf.

Finanzkrise
Phase
4

Ursachen und Folgen der Finanzkrise: 4. Akt

Weniger Konsum bedeutet verschärfte Konkurrenz und Abbau von Arbeitsplätzen...
Wenn der Absatz einbricht, verstärkt sich im Handel und in der Produktion der Verdrängungswettbewerb.
Autobauer und Autohändler versuchen dann zum Beispiel, mit Rabattaktionen Kunden doch noch zum Kauf zu animieren. Dadurch sinken überall die Renditen - viele Firmen rutschen trotz aller Anstrengungen in die Verlustzone.

Die Hersteller versuchen in ihrer Not, ihre Zulieferer noch weiter im Preis zu drücken. Der Preisverfall entwickelt sich zur Epidemie - die Wirtschaft rutscht in eine Deflationsphase und die Börsenkurse stürzen weiter ab.

Dies verstärkt den Trend zur Kaufzurückhaltung. Denn wenn das Preisniveau rückläufig ist, zahlt sich ein wenig Geduld häufig aus (der Kunde hat Angst zu früh (zu teuer) zu kaufen).

Die fallenden Börsenkurse wiederum, deren Bedeutung durch die aufgeregte Medienberichterstattung weit übertrieben wird, trägt zusätzlich zur Kaufzurückhaltung bei.

Finanzkrise
Phase
5

Ursachen und Folgen der Finanzkrise: 5. Akt

Viele Firmen verlieren an Kreditwürdigkeit...
In schwierigen Zeiten sind Finanzinstitute bei Kreditvergaben zurückhaltender, denn das Ausfallrisiko steigt natürlich.
Gleichfalls vorsichtiger werden die Warenkreditversicherer, so dass schwächelnden Firmen die notwendige Warenzufuhr ausgeht und deren Lieferanten manche treuen Kunden verlieren.

Wenn Firmen durch den unerwarteten Absatzstau in ein tiefes Loch fallen, trifft sie ein Kreditentzug doppelt hart.
Wegen des jahrzehntelangen globalen Dumpingwettbewerbs fehlt es ihnen häufig an Rücklagen, mit denen sie Durststrecken überwinden könnten. Eine neue Konkurswelle baut sich auf und die Arbeitslosigkeit nimmt zu.

Andererseits hat dieser Bereinigungsprozess auch etwas Positives. Gerade schwächelnde Firmen neigen dazu, sich mit Dumpingpreisen ewig über Wasser zu halten.
Firmen, denen das Wasser finanziell bis zum Hals steht, unterbieten fast alles, um den drohenden Konkurs abzuwenden oder hinauszuzögern.

Schlechte Zeiten können solche notorischen Preisverderber selten überstehen. Und das ist gut so, denn somit kann sich in der anschließenden Konjunkturerholung ein allgemein gesünderes Preisniveau entwickeln.

Wenn im Handel oder Handwerk Wettbewerber ausscheiden, ist dies oftmals weniger tragisch als allgemein angenommen, denn es kommt in der Regel nur zu einer Verlagerung der Kapazitäten (die gesunden Firmen profitieren von der Verringerung der Konkurrenz).

Anders liegt der Fall im produktiven Gewerbe und in der Industrie. Wenn in diesem Bereich Arbeitsplätze in der Rezession abgebaut werden, gehen sie meistens unwiderruflich verloren.
Dann sind nämlich nicht die inländischen Wettbewerber die Nutznießer der Bereinigung, sondern die ausländische Billigkonkurrenz (wegen fehlender Importzölle).

In der aktuellen Banken- und Finanzkrise vollzog sich dieser Schritt schon früher, weil eine Reihe von Banken durch irrationale Hypothekenaufkäufe selbst kaum mehr liquide waren und sich ein Misstrauen der Banken untereinander ausbreitete.

Dieser Sonderfall erwies sich als Katalysator der Krise und hat die Phase 5 vorgezogen - ändert aber nichts am prinzipiellen Ablauf einer Weltwirtschaftskrise.

Finanzkrise
Phase
6

Ursachen und Folgen der Finanzkrise: 6. Akt

Leitzinssenkungen und Kreditgarantien...
Was macht ein Staat, dem eine Rezession ins Haus steht und dessen Wirtschaft unter einer restriktiven Kreditvergabe leidet?
Natürlich: Es werden zunächst einmal die Leitzinsen gesenkt und, wenn die Finanzwelt wie 2008 selbst zum Sanierungsfall geworden ist, auch noch großzügige Bürgschaften an die Banken vergeben.

Weder Leitzinssenkung noch Bürgschaften gibt es zum Nulltarif. Wenn eine Bundesbank billige Kredite an die Finanzinstitute vergibt, entstehen womöglich hohe Verluste.

Grundsätzlich bedeutet eine staatlich organisierte Billigzinspolitik einen äußerst riskanten Eingriff in die marktwirtschaftlichen Kräfte:

1. Es entsteht eine vorübergehende Konjunkturbelebung auf Pump (wegen niedriger Zinsen werden Investitionen, Bauvorhaben, Haussanierungen usw. lediglich vorgezogen) - nach Erhöhung des Diskontsatzes auf ein normales Niveau fallen viele Branchen in ein tiefes Loch (es ist äußerst schwierig, sich aus einer einmal angefangenen Niedrigzinspolitik wieder zu befreien.

2. Die Niedrigzinspolitik bedeutet letztlich nichts anderes als eine kalte Enteignung der Sparer. Bei einer Inflationsrate von 2 % und einer Verzinsung von 1,5 % beträgt der Realverlust in 20 Jahren bereits ca. 20 %. Höhere Inflationsraten beschleunigen den Verfallsprozess.

3. Niedrige Zinsen treiben viele Anleger (die der schleichenden Enteignung ihres Vermögens nicht untätig zuschauen wollen) in die Spekulation, womit neuerliche Blasenbildungen vorprogrammiert sind.

4. Die kalte Enteignung der Sparer und Investoren strapaziert die natürlichen Heilungskräfte einer Marktwirtschaft. Die Niedrigzinspolitik schafft viele Fehlanreize. Nur um Geld halbwegs sinnvoll anzulegen werden zum Beispiel Maschinen angeschafft, die zwar Arbeitskräfte einsparen, bei normalen Zinsniveau sich aber nicht rentieren würden.
Auf diesen Weise entstehen dann auch immer wieder trotz allgemein sinkender Kaufkraft neue gigantische Einkaufspaläste und Erlebniswelten.

Finanzkrise
Phase
7

Ursachen und Folgen der Finanzkrise: 7. Akt

Staatliche Konjunkturprogramme sollen die Wirtschaft ankurbeln...
Die Regierungen in den einzelnen Staaten stehen vor einer Herkulesaufgabe - sie sollen den Absturz der Wirtschaft und eine aufkeimende Depression verhindern, obwohl (wegen der Globalisierung) Kommunen, Bundesländer und Staaten bereits hochverschuldet sind und selbst in besseren Zeiten ausgeglichene Staatshaushalte unerreichbar scheinen.

Der Staat kann somit beim Konjunkturprogramm nicht klotzen, sondern nur noch kleckern. Wenn Leitzinssenkungen und Kreditbürgschaften nicht ausreichen, um den Abschwung zu beenden, sind weitere Maßnahmen notwendig.

Vor allem aber Länder mit einer hohen Importquote sitzen in der Falle. Würde in Deutschland zum Beispiel der Konsum über Gutscheine oder Steuernachlässe angekurbelt, müsste damit gerechnet werden, dass etwa 80 Prozent des so in den Markt gepumpten Geldes letztlich im Ausland landet (wer in ein Kaufhaus geht wird schnell erkennen, wie wenig Produkte noch als "Made in Germany" durchgehen können), gespart wird oder zur Schuldentilgung verwendet wird.

Wer sich fragt, warum Deutschland im Gegensatz zu manch anderen Staaten sich bei der direkten Konsumankurbelung auf Pump zurückhält, sollte diesen gravierenden Unterschied bedenken.
Wenn Deutschland als Import-Vizeweltmeister (nur die USA mit vierfacher Einwohnerzahl importiert noch mehr als Deutschland) sein Pulver (seine Geldmittel) zu schnell verschießt, kann das später böse Folgen haben.

Exportnationen wie Deutschland sollten deshalb zunächst einmal nur in die eigene Infrastruktur investieren, also mehr Geld ausgeben für den Straßenbau, für die Sanierung öffentlicher Gebäude usw. Diese Einseitigkeit hat allerdings den Nachteil, dass viele notleidende Branchen damit nicht erreicht werden können.

Was hat die Globalisierung mit der prekären Finanznot der Staaten zu tun?
Es ist ganz einfach: Die Umkehr vom üblichen Zoll-Protektionismus zum Subventions-Protektionismus macht die Staaten arm und das Kapital und die Konzerne zu den Herrschern der Welt.

Anstatt Geld einzunehmen (Zölle) müssen Subventionen gezahlt und Steuernachlässe gewährt werden, um noch schlimmere Produktionsauslagerungen ins Billigausland zu vermeiden.

Außerdem wächst in den Industrieländern seit 30 Jahren (also seit Beginn der Globalisierung) der Wohlstand (und damit auch die Steuereinnahmen) nicht mehr.

Zwar steigt auch weiterhin die Produktivität (wegen des technischen Fortschritts) - aber weder Staat noch Bevölkerung profitieren davon - weil das Geld in unkontrollierbare dunkle Kanäle fließt (bei Spekulanten und in Steueroasen landet).

Finanzkrise
Phase
8

Ursachen und Folgen der Finanzkrise: 8. Akt

Was tun, wenn alle Anstrengungen nicht ausreichen?
Ob die Maßnahmen der Regierungen greifen, lässt sich in einem nahezu unüberschaubaren vernetzten Weltmarkt seriös kaum vorhersagen (weil die Bedingungen in jedem Land anders sind und niemand weiß, wie sich die unterschiedlichen Hilfsprogramme und globalen Verflechtungen letztlich auswirken und wann sich das Konsumverhalten wieder normalisiert).

Der Staat kann also nur abwarten in der Hoffnung, dass das Notprogramm ausreichend und der Spuk bald vorüber ist. Nur bei aktuell aufkommenden Schwierigkeiten und sich abzeichnenden Fehlentwicklungen wird er zusätzlich reagieren.

Aus der Not eine Tugend machen...
Deutschland (und andere Länder natürlich auch) hätten in dieser Notlage die Möglichkeit, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Würde hierzulande eine Mehrwertsteuererhöhung um 3 oder 4 % angekündigt, hätte dies eine belebende Wirkung, weil manche Anschaffungen vorgezogen würden.
Voraussetzung wäre, dass die Mehrwertsteuereinnahmen sinnvoll eingesetzt werden, nämlich zur völligen Abschaffung der Beiträge zur Pflegeversicherung und der GEZ-Gebühren.
Dies brächte gleich mehrere Vorteile...

Finanzkrise
Phase
9

Ursachen und Folgen der Finanzkrise: 9. Akt

Was tun, wenn Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung immer weiter anwachsen?
Wegbrechende Steuereinnahmen und teure Konjunkturprogramme stellen den Staat vor immer größere Finanzierungsprobleme. Wenn die Krise anhält und die Konjunktur nicht anspringt, wird es wirklich eng.

Dann bleiben dem Staat eigentlich nur noch unpopuläre Notmaßnahmen: Steuererhöhungen und/oder Ausgabenkürzungen. Beide Maßnahmen führen nicht nur zur Verringerung der Kaufkraft (wirken also wirtschaftshemmend), sie werden auch von den Betroffenen selten widerstandslos hingenommen. Aufruhr und Proteste seitens der Bevölkerung könnte der Krise neue Nahrung liefern. Welche Notmaßnahmen für Deutschland denkbar wären, können Sie hier nachlesen.

Theoretisch wäre noch eine dritte Problemlösung möglich: Der Staat könnte die Notenpresse anwerfen und sich dadurch entschulden. Doch eine solche Geldvermehrung ist ein gefährliches Vabanquespiel und könnte leicht außer Kontrolle geraten.

Wer die Notenpresse zur Konjukturbelebung und staatlichen Schuldentilgung missbraucht, zerstört wichtige merktwirtschaftliche Grundprinzipien.
Es ergeben sich manipulierte Zinssätze (abhängig von der Höhe des Diskontsatzes), es erhöht sich die Gefahr der Inflation (sobald die Wirtschaft wieder Tritt fasst oder die Diskontsätze angehoben werden) und neuer Spekulationsblasen (weil seriöse Geldanlagen keine Renditen mehr abwerfen). Außerdem verführt die Politik des billigen Kunstgeldes viele Staaten zur weiteren Schuldenaufnahme.

Wie eine staatlich veranlasste Geldschwemme zu einer galoppierende Inflation ausarten kann, hat Deutschland in den Jahren 1921 bis 1923 durchlebt. Damals waren die Besitzer von Geldvermögen und Staats- und Kriegsanleihen die großen Verlierer - wer Schulden hatte, zählte zu den Gewinnern.
Für die Euro-Staaten scheint ohnedies eine Schuldentilgung über die Notenpresse kaum realistisch, weil eben die einzelnen Staaten über keine eigene Währung mehr verfügen und eine gemeinsame Aktion eine Schulden-Transferunion heraufbeschwören würde, die durch die Euro-Verträge glücklicherweise ausgeschlossen ist. Oder wird man sich auch daran nicht mehr erinnern wollen?

Eigentlich gibt es sogar noch einen vierten Lösungsansatz. Der Staat könnte die weitere Verschuldung in Kauf nehmen in der Hoffnung, dass irgendwann die Konjunktur doch noch anspringt. Aber auch diese Idee birgt große Gefahren.

Denn es gilt: Je höher die Staatsverschuldung, desto geringer das Vertrauen der Geldgeber - die Zinslast für den Staat steigt. Ausufernde Staatsverschuldungen erweisen sich zudem als schwere Hypothek für die Zukunft, der Gestaltungsspielraum engt sich ein, das Vertrauen in den Staat und seine Volkswirtschaft lässt nach, Leistungsträger verlassen das Land.

Denn alle wissen: Am Ende droht bei zu hoher Staatsverschuldung doch wieder die Entschuldung über die Notenpresse.

Finanzkrise
Phase
10

Ursachen und Folgen der Finanzkrise: 10. Akt

Wenn alle Dämme brechen hilft nur noch der Zollprotektionismus...
Zölle wurden massiv von der Kapitallobby schlechtgeredet, weil sie deren Machtbasis untergräbt. Dabei wurden in der Vergangenheit große Weltkrisen (die durch einen vorausgegangenen zu starken weltweiten Dumpingwettbewerb ausgelöst wurden), durch eine Renaissance der Zollgrenzen behoben (auch wenn die Kapitallobby diese Tatsache nicht wahrhaben will).

Es wird auch in der aktuellen Krise der letzte Rettungsanker sein. Sollten alle Anstrengungen nichts nützen, werden trotz aller heiligen Schwüre viele Länder sich doch wieder an dieses alte Erfolgsrezept erinnern.

Exportnationen sind besonders übel dran...
Wenn die Weltkonjunktur einbricht, sind es vor allem die Exportnationen, die darunter leiden.
Vor allem solche Exportnationen, deren Wirtschaft nur noch einen bescheidenen Anteil zur Versorgung der eigenen Bevölkerung beiträgt.

Deutschland produziert kaum noch alltäglich benötigte Verbrauchsartikel wie Bekleidung, Schuhe, Handys, Computer, Fernseher usw.
Auch in Krisenzeiten muss dies alles vom Ausland eingeführt werden.
Die deutschen Export-Schwergewichte Fahrzeug und Maschinenbau fallen dagegen wegen sinkender Auslandsnachfrage stark zurück.

Finanzkrise
Phase
11

Ursachen und Folgen der Finanzkrise: 11. Akt

In einem überschaubaren Binnenmarkt kann sich die Wirtschaft endlich wieder erholen...
Wird die eigene Wirtschaft vorm brutalen globalen Dumpingwettbewerb abgekoppelt, kann sie endlich wieder frei durchatmen und genesen. Angemessene Importzölle, die den Welthandel ja nicht unterbinden, sondern lediglich die größten Wettbewerbsverzerrungen ein wenig ausgleichen, erlauben vielen Unternehmern, auch bei höheren Löhnen und Steuern als in Asien ihre Produktion aufrechtzuerhalten oder gar neu aufzubauen.

Bei angemessenen Zöllen als wirkungsvolle Schutzbarriere gegen Dumpingimporte greifen auch verbraucherfreundliche Konjunkturmaßnahmen besser. Werden in einem zollfreien Markt Steuern gesenkt und der Konsum angekurbelt, verliert sich die Anschubwirkung weitgehend, weil das zusätzliche Geld häufig nur dem Kauf weiterer Importprodukte dient.
Eine Importnation wie Deutschland stimuliert mit einer Lohnsteuersenkung also hauptsächlich die ausländische Konkurrenz.

"Höhere Zölle machen doch alles teurer..."
Wir alle kennen die Primitiv-Propaganda, nach dem eine Anhebung der Zölle die Waren verteuert und damit den Wohlstand mindert.
Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall: Höhere Zölle sichern der heimischen Wirtschaft das Überleben und erhalten und schaffen Arbeitsplätze.
Die Unabhängigkeit vom globalen Dumpingwettbewerb erlaubt eine Lohn- und Rentenentwicklung entsprechend dem Produktivitätszuwachs - der Wohlstand wächst, auch wenn vielleicht eine Reihe von Importwaren teurer werden.

Der regulierende Zoll erlaubt unserer Wirtschaft eine Produktionsaufnahme selbst in den Bereichen, die schon vor langer Zeit in Deutschland "ausgerottet" wurden und hochnäsig als zu simpel für unsere "Herrenrasse" eingestuft wurden (Bekleidung, Computer, Handys, Haushaltsartikel, Büromaschinen usw.).

Und außerdem: Die höheren Zolleinnahmen stellen keine zusätzliche Belastung für die Bürger dar, weil dafür an anderer Stelle Steuern und Sozialversicherungsbeiträge gesenkt werden können.

Finanzkrise
Phase
12

Ursachen und Folgen der Finanzkrise: 12. Akt

Es folgen falsche Schuldzuweisungen...
Nach geglückter Rettungsaktion und einer Normalisierung der Wirtschaft und nach einer Phase steigenden Wohlstands, verbunden mit einer kontrollierbaren und überschaubaren Finanz- und Wirtschaftswelt, wird die Kapitallobby wie gehabt die Schuld für die überwundene Weltwirtschaftskrise dem Protektionismus (den Zöllen) anlasten.

So wie es auch nach den Krisen in den 1870er und 1930er Jahren der Fall war. Wieder wird der Spieß umgedreht werden und die Zölle, die das desolate Wirtschaftsgefüge entflochten und die verzerrten Märkte beruhigt und geheilt haben, von der Kapitallobby als Teufelswerk verurteilt werden.

Und dann geht wieder alles von Neuem los: Mit allen legalen und illegalen Mitteln (Propaganda, Korruption, Bestechung) wird eine neue Freihandelsrunde eingeläutet werden, so als ob man aus den alten Krisen nie etwas gelernt hätte.

Warum das so ist, liegt auf der Hand (siehe Kapitalistisches Ermächtigungsgesetz).

Sind Sie der gleichen oder ganz anderer Meinung? Kommentar zu diesem Artikel (Nr. 806) abgeben?

 

 

Impressum

© Manfred J. Müller, Flensburg, Januar 2009


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Manfred Julius Müller analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und veröffentlicht brisante Aufsätze zu den heikelsten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in wichtigen Bereichen die Gesetzgebung beeinflussten. Seine Websites erreichen im Jahr etwa eine Million Besucher. Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a. die Trilogie "DAS KAPITAL".