
Wie verlaufen Finanzkrisen?
Ursachen und Folgen von Finanzkrisen. Wie tief werden wir noch sinken?
Von Manfred Julius Müller
Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 1. Akt Die
Blase baut sich auf Im Grunde
funktioniert die sich aufbauende Blase wie ein
Pyramidenspiel - alles läuft bestens, bis eben eines
Tages nicht mehr genug Leichtgläubige nachrücken.
Damit ist der Scheitelpunkt der Übertreibung erreicht.
Fortan fallen Kurse oder Immobilien bis zum
Tiefpunkt.
Verlierer
der Spekulatikonsblase: 2. Banken,
die bei fallenden Preisen ihre Hypotheken nicht
zurückbezahlt bekommen, zählen ebenfalls zu den
Verlierern. Leidtragende sind im Besonderen die
Bankangestellten und Aktionäre. 3. Die
Wirtschaft, der Staat und die Bevölkerung, die nach dem
Zerplatzen der Spekulationsblase den geborgten Aufschwung
mit einer Rezession bezahlen müssen. Gewinner
der Spekulationsblase: 2. Die
Banken, die ihr Geschäftsvolumen durch die
Kreditexpansion erhöhen können und somit zumindest
zeitweise bessere Renditen einfahren. 3. Die
Makler und Banker, die durch den Boom satte Courtagen und
Boni einstreichen können. 4.
Vorrübergehend die Wirtschaft und Gesellschaft, denn
durch die sagenhafte Vermögensvermehrung wächst
die Neigung zu mehr Konsum und zusätzlichen
Investitionen. 5. Die
Regierung, die mit ihrem inszenierten Aufschwung
zunächst bei der Bevölkerung punktet. Gewinner
und Verlierer: Nicht
besser ergeht es den meisten anderen Spekulationsgewinnlern.
Für die künstliche Wirtschaftsankurbelung und dem
vorgezogenen Konsum wird erst viele Jahre später die
Rechnung präsentiert. Aber dann haben viele Spekulanten
bereits kräftig abgesahnt und Politiker ihre
Profilierungssucht ausgelebt. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 2. Akt Das
Desaster beginnt: Hinzu
kommt: Das Platzen der Blasen wird in der Regel
ausgelöst durch eine allgemeine Verteuerung der
Kredite. Gerade in Ländern, in denen variable
Hypothekenzinsen üblich sind (wie in den USA) wirkt
sich dies fatal aus: Fallende Häuserpreise gehen einher
mit wachsenden monatlichen Belastungen. Variablen
Zins verbieten! Hätte
die US-Bank 2007 ihre Leitzinsen nicht so überhastet
angezogen, wäre es vermutlich gar nicht zur Hypotheken-
und globalen Finanzkrise gekommen. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 3. Akt Die
Doppelpackung: Der Zinsanstieg bremst den Konsum, das
nachlassende Vermögend-sein-Wohlgefühl
ebenfalls. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 4. Akt Weniger
Konsum bedeutet verschärfte Konkurrenz und Abbau von
Arbeitsplätzen... Die
Hersteller versuchen in ihrer Not, ihre Zulieferer noch
weiter im Preis zu drücken. Der Preisverfall entwickelt
sich zur Epidemie - die Wirtschaft rutscht in eine
Deflationsphase und die Börsenkurse stürzen weiter
ab. Dies verstärkt den Trend zur
Kaufzurückhaltung. Denn wenn das Preisniveau
rückläufig ist, zahlt sich ein wenig Geduld
häufig aus (der Kunde hat Angst zu früh (zu teuer)
zu kaufen). Die
fallenden Börsenkurse wiederum, deren Bedeutung durch
die aufgeregte Medienberichterstattung weit übertrieben
wird, trägt zusätzlich zur Kaufzurückhaltung
bei. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 5. Akt Viele
Firmen verlieren an Kreditwürdigkeit... Wenn die
Firmen durch den unerwarteten Absatzstau in ein tiefes Loch
fallen, trifft sie ein Kreditentzug doppelt hart. Andererseits
hat dieser Bereinigungsprozess auch etwas Positives. Gerade
schwächelnde Firmen neigen dazu, sich mit
Dumpingpreisen ewig über Wasser zu halten. Firmen,
denen das Wasser finanziell bis zum Hals steht, unterbieten
fast alles, um den drohenden Konkurs abzuwenden oder
hinauszuzögern. Wenn im
Handel oder Handwerk Wettbewerber ausscheiden, ist dies
oftmals weniger tragisch als allgemein angenommen, denn es
kommt in der Regel nur zu einer Verlagerung der
Kapazitäten (die gesunden Firmen profitieren von der
Verringerung der Konkurrenz). Anders
liegt der Fall im produktiven Gewerbe und in der Industrie.
Wenn in diesem Bereich Arbeitsplätze in der Rezession
abgebaut werden, gehen sie meistens unwiderruflich verloren.
Dann sind nämlich nicht die inländischen
Wettbewerber die Nutznießer des Reinigungsprozesses,
sondern die ausländische Billigkonkurrenz (wegen der
fehlenden Importzölle). In der
aktuellen Banken- und Finanzkrise vollzog sich dieser
Schritt schon früher, weil eine Reihe von Banken durch
irrationale Hypothekenaufkäufe selbst kaum mehr liquide
waren und sich ein Misstrauen der Banken untereinander
ausbreitete. Dieser Sonderfall erwies sich als Katalysator
der Krise und hat die Phase 5 vorgezogen - ändert aber
nichts am prinzipiellen Ablauf einer
Weltwirtschaftskrise. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 6. Akt Leitzinssenkungen
und Kreditgarantien... Weder
Leitzinssenkung noch Bürgschaften gibt es zum
Nulltarif. Wenn eine Bundesbank billige Kredite an die
Finanzinstitute vergibt, entstehen womöglich hohe
Verluste, Marktverzerrungen und neue Spekulationsblasen. Und
die Bürgschaften sind nur so lange billig, wie sie
nicht in Anspruch genommen werden. Dennoch
blieb den meisten Staaten in der aktuellen Krise nichts
anderes übrig, als in der klassischen Form zu
reagieren. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 7. Akt Staatliche
Konjunkturprogramme sollen die Wirtschaft ankurbeln... Der Staat
kann somit beim Konjukturprogramm nicht klotzen, sondern nur
noch kleckern. Wenn Leitzinssenkungen und
Kreditbürgschaften nicht ausreichen, um den Abschwung
zu beenden, sind weitere Maßnahmen notwendig.
Vor
allem aber Länder mit einer hohen Importquote sitzen in
der Falle. Würde in Deutschland zum Beispiel der
Konsum über Gutscheine oder Steuernachlässe
angekurbelt, müsste damit gerechnet werden, dass etwa
80 Prozent des so in den Markt gepumpten Geldes letztlich im
Ausland landet (wer in ein Kaufhaus geht wird schnell
erkennen, wie wenig Produkte noch als "Made in Germany"
durchgehen können), gespart wird oder zur
Schuldentilgung verwendet wird. Wer sich
fragt, warum Deutschland im Gegensatz zu manch anderen
Staaten sich bei der direkten Konsumankurbelung auf Pump
zurückhält, sollte diesen gravierenden Unterschied
bedenken. Exportnationen
wie Deutschland sollten deshalb zunächst einmal nur in
die eigene Infrastruktur investieren, also mehr Geld
ausgeben für den Straßenbau, für die
Sanierung öffentlicher Gebäude usw. Diese
Einseitigkeit hat allerdings den Nachteil, dass viele
notleidende Branchen damit nicht erreicht werden
können. Was hat
die Globalisierung mit der prekären Finanznot der
Staaten zu tun? Außerdem
wächst in den Industrieländern seit 30 Jahren
(also seit Beginn der Globalisierung) der Wohlstand (und
damit auch die Steuereinnahmen) nicht mehr. Zwar
steigt auch weiterhin die Produktivität (wegen des
technischen Fortschritts) - aber weder Staat noch
Bevölkerung profitieren davon - weil das Geld in
unkontrollierbare dunkle Kanäle fließt (bei
Spekulanten und in Steueroasen landet). Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 8. Akt Was
tun, wenn alle Anstrengungen nicht
ausreichen? Der Staat
kann also nur abwarten in der Hoffnung, dass das Notprogramm
ausreichend und der Spuk bald vorüber ist. Nur bei
aktuell aufkommenden Schwierigkeiten und sich abzeichnenden
Fehlentwicklungen wird er zusätzlich reagieren.
Aus der
Not eine Tugend machen... Würde
hierzulande eine Mehrwertsteuererhöhung um 3 oder 4 %
angekündigt, hätte dies eine belebende Wirkung,
weil manche Anschaffungen vorgezogen würden.
Voraussetzung wäre, dass die Mehrwertsteuereinnahmen
sinnvoll eingesetzt werden, nämlich zur völligen
Abschaffung der Beiträge zur Pflegeversicherung und der
GEZ-Gebühren. Dies
brächte gleich mehrere Vorteile... Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 9. Akt Was
tun, wenn Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung immer
weiter anwachsen? Theoretisch
wäre noch eine dritte Problemlösung denkbar: Der
Staat könnte die Notenpresse anwerfen und sich
dadurch entschulden. Doch eine solche Geldvermehrung ist
riskant und könnte leicht außer Kontrolle
geraten. Denn die dadurch ausgelöste Inflation
verteuert schließlich auch die staatliche Zinstilgung
beträchtlich. Das Haushaltsloch wird somit automatisch
immer größer, so dass der Staat womöglich
immer mehr Geld nachschießen muss. Wie eine
solch galoppierende Inflation ausarten kann, hat Deutschland
in den Jahren 1921 bis 1923 durchlebt. Damals waren die
Besitzer von Geldvermögen und Staats- und
Kriegsanleihen die großen Verlierer - wer Schulden
hatte, zählte zu den Gewinnern. Eigentlich
gibt es sogar noch einen vierten Lösungsansatz. Der
Staat könnte die weitere Verschuldung in Kauf
nehmen in der Hoffnung, dass irgendwann die Konjunktur doch
noch anspringt. Aber auch diese Idee birgt große
Gefahren. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 10. Akt Wenn
alle Dämme brechen hilft nur noch der
Zollprotektionismus... Es wird
auch in der aktuellen Krise der letzte Rettungsanker sein.
Sollten alle Anstrengungen nichts nützen, werden trotz
aller heiligen Schwüre viele Länder sich doch
wieder an dieses alte Erfolgsrezept erinnern. Exportnationen
sind besonders übel dran... Deutschland
produziert kaum noch alltäglich benötigte
Verbrauchsartikel wie Bekleidung, Schuhe, Handys, Computer,
Fernseher usw. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 11. Akt In
einem überschaubaren Binnenmarkt kann sich die
Wirtschaft endlich wieder erholen... Bei
angemessenen Zöllen als wirkungsvolle Schutzbarriere
gegen Dumpingimporte greifen auch verbraucherfreundliche
Konjunkturmaßnahmen besser. Werden in einem zollfreien
Markt Steuern gesenkt und der Konsum angekurbelt, verliert
sich die Anschubwirkung weitgehend, weil das
zusätzliche Geld häufig nur dem Kauf weiterer
Importprodukte dient. Eine Importnation wie Deutschland
stimuliert mit einer Lohnsteuersenkung also
hauptsächlich die ausländische
Konkurrenz. "Höhere
Zölle machen doch alles teurer..." Der
regulierende Zoll erlaubt unserer Wirtschaft eine
Produktionsaufnahme selbst in den Bereichen, die schon vor
langer Zeit in Deutschland "ausgerottet" wurden und
hochnäsig als zu simpel für unsere
"Herrenrasse"
eingestuft wurden (Bekleidung, Computer, Handys,
Haushaltsartikel, Büromaschinen usw.). Und
außerdem: Die höheren Zolleinnahmen stellen keine
zusätzliche Belastung für die Bürger dar,
weil dafür an anderer Stelle Steuern und
Sozialversicherungsbeiträge gesenkt werden
können. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 12. Akt Es
folgen falsche Schuldzuweisungen... Warum das
so ist, liegt auf der Hand (siehe Kapitalistisches
Ermächtigungsgesetz).
Phase
1
Durch
Fehleinschätzung des Marktes und großzügig
vergebene günstige Kredite entsteht eine
übertriebene Kauflaune. Weil der Vorgang sich
schleichend vollzieht, erkennen viele Käufer nicht,
dass die Preise für Immobilien oder Aktien eigentlich
über das normale Maß hinausgeschossen sind. Man
vertraut allgemein darauf, dass ein seit Jahren anhaltender
Trend sich weiter fortsetzt.
Was
sind reelle Marktpreise - woran erkannt man die
Übertreibung?
1. Jeder, der zum überhöhten Preis etwas kauft,
befindet sich verständlicherweise auf der
Verliererseite. Wer 100.000 Euro für ein Haus ausgibt,
welches bei einer neutralen Bewertung nur die Hälfte
kosten würde, lebt auf einem Pulverfass. Sobald der
Markt dreht, verliert er sein Geld.
1. Der Verkäufer, der seine Immobilien (seine Aktien)
in der Hochpreisphase noch rechtzeitig abstoßen
konnte.
Viele Marktakteure befinden sind sowohl in der Täter-
als auch in der Opferrolle. Sie konnten ihr Häuschen zu
einem überhöhten Preis losschlagen, haben sich
dann aber gleichzeitig von dem Erlös ein
größeres Haus zugelegt. Ein netter Gewinn steht
somit einem noch höheren Realverlust
gegenüber.
Phase
2
Wenn
nun der überhitzte Markt einbricht und die
Immobilienpreise (Aktien) fallen, befinden sich
urplötzlich vorher gutsituierte brave Bürger in
der Schuldenfalle. Ihre Vermögenswerte schmelzen dahin
- die Verbindlichkeiten aber bleiben bestehen und
können rasch die Habenseite
übertreffen.
Hypotheken mit variablem Zins gehören meines Erachtens
verboten. Ein variabler Zins ist ein zusätzlicher
Spekulationsfaktor.
In Niedrigzinsphasen werden unbedarfte Menschen zu
Investitionen verführt, die sie bei 10jähriger
Zinsfestschreibung nie tätigen würden.
Phase
3
Wer
plötzlich mehr für seine Hypotheken aufbringen
muss, kann weniger konsumieren. Und wer feststellt, dass
seine ehemalige Guthabenbilanz sich ins Minus verkehrt hat
(Verschuldung höher als eigene Vermögenswerte),
wird sich bei Neuanschaffungen notgedrungen
zurückhalten. Damit nimmt nun ein Teufelskreis seinen
verheerenden Lauf.
Phase
4
Wenn
der Absatz einbricht, verstärkt sich im Handel und in
der Produktion der Verdrängungswettbewerb. Autobauer
und Autohändler versuchen dann zum Beispiel, mit
Rabattaktionen Kunden doch noch zum Kauf zu animieren.
Dadurch sinken überall die Renditen - viele Firmen
rutschen trotz aller Anstrengungen in die
Verlustzone.
Phase
5
In
schwierigen Zeiten sind Finanzinstitute bei Kreditvergaben
zurückhaltender, denn das Ausfallrisiko steigt
natürlich. Gleichfalls vorsichtiger werden die
Warenkreditversicherer, so dass schwächelnden Firmen
die notwendige Warenzufuhr ausgeht und deren Lieferanten
manche treuen Kunden verlieren.
Wegen des jahrzehntelangen globalen Dumpingwettbewerbs
fehlt es ihnen häufig an Rücklagen, mit denen
sie Durststrecken überwinden könnten. Eine neue
Konkurswelle baut sich auf und die Arbeitslosigkeit nimmt
zu.
Schlechte Zeiten können solche notorischen
Preisverderber selten überstehen. Und das ist gut so,
denn somit kann sich in der anschließenden
Konjunkturerholung ein allgemein gesünderes Preisniveau
entwickeln.
Phase
6
Was
macht ein Staat, in dem eine Rezession ins Haus steht und
die Wirtschaft unter einer restriktiven Kreditvergabe
leidet?
Natürlich: Es werden zunächst einmal die
Leitzinsen gesenkt und, wenn die Finanzwelt wie 2008 selbst
zum Sanierungsfall geworden ist, auch noch
großzügige Bürgschaften an die Banken
vergeben.
Phase
7
Die
Regierungen in den einzelnen Staaten stehen vor einer
Herkulesaufgabe - sie sollen den Absturz der Wirtschaft und
eine aufkeimende Depression verhindern, obwohl (wegen der
Globalisierung) Kommunen, Bundesländer und Staaten
bereits hochverschuldet sind und selbst in besseren Zeiten
ausgeglichene Staatshaushalte unerreichbar
scheinen.
Wenn Deutschland als Import-Vizeweltmeister (nur die USA mit
vierfacher Einwohnerzahl importiert noch mehr als
Deutschland) sein Pulver (seine Geldmittel) zu schnell
verschießt, kann das später böse Folgen
haben.
Es ist ganz einfach: Die Umkehr vom üblichen
Zoll-Protektionismus zum Subventions-Protektionismus macht
die Staaten arm und das Kapital und die Konzerne zu den
Herrschern der Welt. Anstatt Geld einzunehmen (Zölle)
müssen Subventionen gezahlt und Steuernachlässe
gewährt werden, um noch schlimmere
Produktionsauslagerungen ins Billigausland zu vermeiden.
Phase
8
Ob die
Maßnahmen der Regierungen greifen, lässt sich in
einem nahezu unüberschaubaren vernetzten Weltmarkt
seriös kaum vorhersagen (weil die Bedingungen in jedem
Land anders sind und niemand weiß, wie sich die
unterschiedlichen Hilfsprogramme und globalen Verflechtungen
letztlich auswirken und wann sich das Konsumverhalten wieder
normalisiert).
Deutschland (und andere Länder natürlich auch)
hätten in dieser Notlage die Möglichkeit, gleich
zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.
Phase
9
Wegbrechende
Steuereinnahmen und teure Konjunkturprogramme stellen den
Staat vor immer größere Finanzierungsprobleme.
Wenn die Krise anhält und die Konjunktur nicht
anspringt, wird es wirklich eng.
Dann bleiben dem Staat eigentlich nur noch unpopuläre
Notmaßnahmen: Steuererhöhungen und/oder
Ausgabenkürzungen. Beide Maßnahmen
führen nicht nur zur Verringerung der Kaufkraft (wirken
also wirtschaftshemmend), sie werden auch von den
Betroffenen selten widerstandslos hingenommen. Aufruhr und
Proteste seitens der Bevölkerung könnte der Krise
neue Nahrung liefern. Welche Notmaßnahmen denkbar
wären, können Sie hier
nachlesen.
Für die Euro-Staaten scheint ohnedies eine
Schuldentilgung über die Notenpresse kaum realistisch,
weil eben die einzelnen Staaten über keine eigene
Währung mehr verfügen und eine gemeinsame Aktion
an den Widerständen scheitern wird.
Denn es gilt: Je höher die Staatsverschuldung, desto
geringer das Vertrauen der Geldgeber - die Zinslast für
den Staat steigt. Ausufernde Staatsverschuldungen erweisen
sich zudem als schwere Hypothek für die Zukunft, der
Gestaltungsspielraum engt sich ein, das Vertrauen in den
Staat und seine Volkswirtschaft lässt nach,
Leistungsträger verlassen das Land. Denn alle wissen:
Am Ende droht bei zu hoher Staatsverschuldung doch wieder
die Entschuldung über die Notenpresse.
Phase
10
Zölle
wurden massiv von der Kapitallobby schlechtgeredet, weil sie
deren Machtbasis untergräbt. Dabei wurden in der
Vergangenheit große Weltkrisen
(die durch einen vorausgegangenen zu starken weltweiten
Dumpingwettbewerb ausgelöst wurden), durch eine
Renaissance der Zollgrenzen behoben (auch wenn die
Kapitallobby diese Tatsache nicht wahrhaben
will).
Wenn die Weltkonjunktur einbricht, sind es vor allem die
Exportnationen, die darunter leiden. Vor allem solche
Exportnationen, deren Wirtschaft nur noch einen bescheidenen
Anteil zur Versorgung der eigenen Bevölkerung
beiträgt.
Auch in Krisenzeiten muss dies alles vom Ausland
eingeführt werden. Die deutschen Export-Schwergewichte
Fahrzeug und Maschinenbau fallen dagegen wegen sinkender
Auslandsnachfrage stark zurück.
Phase
11
Wird
die eigene Wirtschaft vorm brutalen globalen
Dumpingwettbewerb abgekoppelt, kann sie endlich wieder frei
durchatmen und genesen. Angemessene Importzölle, die
den Welthandel ja nicht unterbinden, sondern lediglich die
größten Wettbewerbsverzerrungen ein wenig
ausgleichen, erlauben vielen Unternehmern, auch bei
höheren Löhnen und Steuern als in Asien ihre
Produktion aufrechtzuerhalten oder gar neu
aufzubauen.
Wir alle kennen die Primitiv-Propaganda, nach dem eine
Anhebung der Zölle die Waren verteuert und damit den
Wohlstand mindert.
Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall: Höhere
Zölle sichern der heimischen Wirtschaft das
Überleben und erhalten und schaffen
Arbeitsplätze.
Die Unabhängigkeit vom globalen Dumpingwettbewerb
erlaubt eine Lohn- und Rentenentwicklung entsprechend dem
Produktivitätszuwachs - der Wohlstand wächst, auch
wenn vielleicht eine Reihe von Importwaren teurer
werden.
Phase
12
Nach
geglückter Rettungsaktion und einer Normalisierung der
Wirtschaft und nach einer Phase steigenden Wohlstands,
verbunden mit einer kontrollierbaren und überschaubaren
Finanz- und Wirtschaftswelt, wird die Kapitallobby wie
gehabt die Schuld für die überwundene
Weltwirtschaftskrise dem Protektionismus
(den Zöllen) anlasten. So wie es auch nach den Krisen
in den 1870er
und 1930er
Jahren der Fall war. Wieder wird der Spieß umgedreht
werden und die Zölle, die das desolate
Wirtschaftgefüge entflochten und die verzerrten
Märkte beruhigt und geheilt haben, von der Kapitallobby
als Teufelswerk verurteilt werden. Und dann geht wieder
alles von Neuem los: Mit allen legalen und illegalen Mitteln
(Propaganda, Korruption, Bestechung) wird eine neue
Freihandelsrunde eingeläutet werden, so als ob man aus
den alten Krisen nie etwas gelernt hätte.
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© Manfred J. Müller, Flensburg, Januar 2009
Weiterführende
Publikationen:
Ursachen
und Folgen der Finanz- und
Weltwirtschaftskrisen
Wenn man tatsächlich etwas aus den drei großen Finanz- und
Weltwirtschaftskrisen 1873, 1929 und 2008 lernen wollte - was
würde einem da auffallen, welche Systematik steckt hinter den
Krisen?
Finanzkrise
und Globalisierung: Kann uns der Subventions-Protektionismus wirklich
retten?
Über den Zoll-Protektionismus wird heftig geschimpft - dabei ist
der praktizierte Subventions-Protektionismus viel teuer und
gefährlicher.
Folgen
der Finanzkrise: Aber Deutschland lebt doch vom
Export...!
Lebt Deutschland wirklich vom Export, ist es für alle Zeiten auf
die Globalisierung angewiesen, darf es keine Umkehr, kein Anheben der
Zölle mehr geben?
Folgen
der Finanzkrise: Die unsichtbaren Grenzen des
Sozialstaats
Die Finanzkrise führt der Welt die Grenzen der Globalisierung
vor Augen. Wieviel Soziales wird der Staat sich noch leisten
können, wenn erst einmal die Kosten und Auswirkungen der
Finanzkrise offen sichtbar werden?
Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: "Die Globalisierung macht die Produkte
billiger!"
Ursprung aller Finanz - und Weltwirtschaftskrisen sind grundlegende
Fehleinschätzungen. So wie der Aberglauben an einen
Kaufkraftvorteil durch das globale Dumpingsystem. Erst zu spät
merken die meisten Verbraucher, dass sich auch gleichzeitig
Erwerbstätige oder Rentner sind - und dass die günstige
Importware erkauft wird durch sinkende Reallöhne, massiven
Arbeitsplatzabbau und und eine unkontrollierbar verflochtene
Finanzwelt.
Folgen
der Finanzkrise: Kinderarmut - wieviel Luxus braucht der junge
Mensch?
Diese Frage wird sich schon bald ganz neu stellen. Der Staat wird
einsehen müssen, dass soziale Gerechtigkeit auch ganz anders
interpretiert werden kann.
Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: Mediendemokratie
oder Mediendiktatur?
Eigentlich haben die Medien eine wichtige Kontrollfunktion über
Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Was aber, wenn diese
Kontrollfunktion versagt, weil die Medienkonzerne schon längst
keine neutrale Instanz mehr darstellen?
Folgen
der Finanzkrise: Brauchen
wir jetzt eine
Mehrwertsteuersenkung?
Die Briten haben es vorgeturnt, sie haben wegen der Finanzkrise die
Mehrwertsteuer gesenkt. Ist es das richtige Konzept?
Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: Wie
man die Lohnnebenkosten drastisch
senkt!
Die starke Aufblähung des Kostenfaktors Arbeit über Steuern
und Sozialabgaben haben den Menschen zunehmend ins Abseits
gedrängt. Wann wird der Irrtum eingesehen, wie kann man
umsteuern?
Folgen
der Finanzkrise: "Die
Reichen müssen zahlen..."
In einer Neidgesellschaft sitzen Reiche und Wohlhabende ständig
auf der Anklagebank. Manche Parteien erwecken den Eindruck, man
könne jetzt verstärkt die Reichen in die Pflicht nehmen.
Aber wie seriös ist der Gedanke? Was nützt eine hohe
Reichensteuer, wenn die Betroffenen sich einfach ins Ausland
absetzen?
Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: Bundestagswahlen
als Feigenblatt der Demokratie?
In der Krise zeigt sich besonders deutlich, wie wenig sich doch die
Bundestagsparteien unterscheiden. Echte Alternativprogramme zur
zollfreien Globalisierungs- und EU-Subventions-Politik stehen nicht
zur Verfügung.
Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: Wie
erklärt sich das kollektive Versagen der
Ökonomen?
Da hat die Welt zigtausend schlaue Köpfe, die ihr ganzes
Berufsleben sich ausschließlich mit ökonomischen
Abläufen beschäftigen. Und doch werden neue Krisen nicht
verhindert (es wird nicht einmal der seit 30 Jahren anhaltende
Reallohnabstieg bemerkt oder diskutiert. Kann es sein, dass bereits
an den Schulen und Universitäten die Saat gelegt wird für
eingeschränkte Sichtweisen und unflexibles Denken?
Finanz-
und Weltwirtschaftskrise: Warum
das Scheitern der Globalisierung vorherzusehen
war!
Die Finanz- und Weltwirtschaftskrise war keineswegs ein
Betriebsunfall. Es musste so kommen, weil das globale Dumpingsystem
einfach nicht funktionieren kann.
Ursachen
unf Folgen der Finanzkrise: Der Humbug mit der sozialen
Marktwirtschaft...
Alle Welt redet wom Segen der Marktwirtschaft (ich eigentlich auch).
Doch was nicht eingestanden wird: Globalisierung und Marktwirtschaft
schließen sich gegeneinander aus - beides zusammen kann es gar
nicht geben.
Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und
veröffentlichte unzählige Aufsätze zu den
verschiedensten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die
weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen Ländern
in wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten.
Inzwischen sind auch vier Bücher erschienen: "Die Kultivierung
des Kapitals", 2001, "Anti-Globalisierung. Zurück zur
Vernunft!", 2002, "Das neue Wirtschaftswunder. Die Entmachtung des
globalen Dumpingsystems", 2005, "Das
Kapital und die Globalisierung",
2008.