
Wie verlaufen Finanzkrisen?
Ursachen und Folgen von Finanzkrisen. Wie tief werden wir noch sinken?
Von Manfred Julius Müller
Finanz- und Staatsschuldenkrisen entstehen nicht grundlos. Sie sind vielmehr die Folgen einer verfehlten Politik. Ursache der aktuellen Krise ist eindeutig der globale Dumpingwettbewerb, der jegliche Fairness und Moral vermissen lässt. Durch den Abbau der Zölle ist die Welt zum Spielball der Konzerne und des Großkapitals geworden. Wie aber geht es nun weiter. Wie wird der Markt und wie werden unsere Politiker auf diese Herausforderung reagieren?
Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 1. Akt Eine
Blase baut sich auf... Im
Grunde funktioniert die sich aufbauende Blase wie ein
Pyramidenspiel - alles läuft bestens, bis eben eines
Tages nicht mehr genug Leichtgläubige nachrücken.
Damit ist der Scheitelpunkt der Übertreibung erreicht.
Fortan fallen Kurse oder Immobilien bis zum
Tiefpunkt.
Verlierer
der Spekulationsblase: 2.
Banken, die bei fallenden Preisen ihre Hypotheken nicht
zurückbezahlt bekommen, zählen ebenfalls zu den
Verlierern. 3.
Die Wirtschaft, der Staat und die Bevölkerung, die nach
dem Zerplatzen der Spekulationsblase den geborgten
Aufschwung mit einer Rezession bezahlen
müssen. Gewinner
der Spekulationsblase: 2.
Die Banken, die ihr Geschäftsvolumen durch die
Kreditexpansion erhöhen können und somit zumindest
zeitweise bessere Renditen einfahren. 3.
Die Makler und Banker, die durch den Boom satte Courtagen
und Boni einstreichen können. 4.
Vorübergehend die Wirtschaft und Gesellschaft, denn
durch die sagenhafte Vermögensvermehrung wächst
die Neigung zu mehr Konsum und zusätzlichen
Investitionen. 5.
Die Regierung, die mit ihrem inszenierten Aufschwung
zunächst bei der Bevölkerung punktet. Gewinner
und Verlierer: Nicht
besser ergeht es den meisten anderen
Spekulationsgewinnlern. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 2. Akt Das
Desaster beginnt: Hinzu
kommt: Das Platzen der Blasen wird in der Regel
ausgelöst durch eine allgemeine Verteuerung der
Kredite. Variablen
Zins verbieten! Hätte
die US-Bank 2007 ihre Leitzinsen nicht so überhastet
angezogen, wäre es vermutlich gar nicht zur Hypotheken-
und globalen Finanzkrise gekommen. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 3. Akt Die
Doppelpackung: Der Zinsanstieg bremst den Konsum, das
nachlassende Vermögend-sein-Wohlgefühl
ebenfalls. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 4. Akt Weniger
Konsum bedeutet verschärfte Konkurrenz und Abbau von
Arbeitsplätzen... Die
Hersteller versuchen in ihrer Not, ihre Zulieferer noch
weiter im Preis zu drücken. Der Preisverfall entwickelt
sich zur Epidemie - die Wirtschaft rutscht in eine
Deflationsphase und die Börsenkurse stürzen weiter
ab. Dies
verstärkt den Trend zur Kaufzurückhaltung. Denn
wenn das Preisniveau rückläufig ist, zahlt sich
ein wenig Geduld häufig aus (der Kunde hat Angst zu
früh (zu teuer) zu kaufen). Die
fallenden Börsenkurse wiederum, deren Bedeutung durch
die aufgeregte Medienberichterstattung weit übertrieben
wird, trägt zusätzlich zur Kaufzurückhaltung
bei. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 5. Akt Viele
Firmen verlieren an Kreditwürdigkeit... Wenn
Firmen durch den unerwarteten Absatzstau in ein tiefes Loch
fallen, trifft sie ein Kreditentzug doppelt hart. Andererseits
hat dieser Bereinigungsprozess auch etwas Positives.
Gerade schwächelnde Firmen neigen dazu, sich mit
Dumpingpreisen ewig über Wasser zu halten. Schlechte
Zeiten können solche notorischen Preisverderber selten
überstehen. Und das ist gut so, denn somit kann sich in
der anschließenden Konjunkturerholung ein allgemein
gesünderes Preisniveau entwickeln. Wenn
im Handel oder Handwerk Wettbewerber ausscheiden, ist dies
oftmals weniger tragisch als allgemein angenommen, denn es
kommt in der Regel nur zu einer Verlagerung der
Kapazitäten (die gesunden Firmen profitieren von der
Verringerung der Konkurrenz). Anders
liegt der Fall im produktiven Gewerbe und in der Industrie.
Wenn in diesem Bereich Arbeitsplätze in der Rezession
abgebaut werden, gehen sie meistens unwiderruflich
verloren. In
der aktuellen Banken- und Finanzkrise vollzog sich dieser
Schritt schon früher, weil eine Reihe von Banken durch
irrationale Hypothekenaufkäufe selbst kaum mehr liquide
waren und sich ein Misstrauen der Banken untereinander
ausbreitete. Dieser
Sonderfall erwies sich als Katalysator der Krise und hat die
Phase 5 vorgezogen - ändert aber nichts am
prinzipiellen Ablauf einer Weltwirtschaftskrise. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 6. Akt Leitzinssenkungen
und Kreditgarantien... Weder
Leitzinssenkung noch Bürgschaften gibt es zum
Nulltarif. Wenn eine Bundesbank billige Kredite an die
Finanzinstitute vergibt, entstehen womöglich hohe
Verluste. Grundsätzlich
bedeutet eine staatlich organisierte Billigzinspolitik einen
äußerst riskanten Eingriff in die
marktwirtschaftlichen Kräfte: 1.
Es entsteht eine vorübergehende Konjunkturbelebung auf
Pump (wegen niedriger Zinsen werden Investitionen,
Bauvorhaben, Haussanierungen usw. lediglich vorgezogen) -
nach Erhöhung des Diskontsatzes auf ein normales Niveau
fallen viele Branchen in ein tiefes Loch (es ist
äußerst schwierig, sich aus einer einmal
angefangenen Niedrigzinspolitik wieder zu
befreien. 2.
Die Niedrigzinspolitik bedeutet letztlich nichts anderes als
eine kalte Enteignung der Sparer. Bei einer Inflationsrate
von 2 % und einer Verzinsung von 1,5 % beträgt der
Realverlust in 20 Jahren bereits ca. 20 %. Höhere
Inflationsraten beschleunigen den
Verfallsprozess. 3.
Niedrige Zinsen treiben viele Anleger (die der schleichenden
Enteignung ihres Vermögens nicht untätig zuschauen
wollen) in die Spekulation, womit neuerliche Blasenbildungen
vorprogrammiert sind. 4.
Die kalte Enteignung der Sparer und Investoren strapaziert
die natürlichen Heilungskräfte einer
Marktwirtschaft. Die Niedrigzinspolitik schafft viele
Fehlanreize. Nur um Geld halbwegs sinnvoll anzulegen werden
zum Beispiel Maschinen angeschafft, die zwar
Arbeitskräfte einsparen, bei normalen Zinsniveau sich
aber nicht rentieren würden. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 7. Akt Staatliche
Konjunkturprogramme sollen die Wirtschaft ankurbeln... Der
Staat kann somit beim Konjunkturprogramm nicht klotzen,
sondern nur noch kleckern. Wenn Leitzinssenkungen und
Kreditbürgschaften nicht ausreichen, um den Abschwung
zu beenden, sind weitere Maßnahmen notwendig.
Vor
allem aber Länder mit einer hohen Importquote sitzen in
der Falle. Würde in Deutschland zum Beispiel der
Konsum über Gutscheine oder Steuernachlässe
angekurbelt, müsste damit gerechnet werden, dass etwa
80 Prozent des so in den Markt gepumpten Geldes letztlich im
Ausland landet (wer in ein Kaufhaus geht wird schnell
erkennen, wie wenig Produkte noch als "Made in Germany"
durchgehen können), gespart wird oder zur
Schuldentilgung verwendet wird. Wer
sich fragt, warum Deutschland im Gegensatz zu manch anderen
Staaten sich bei der direkten Konsumankurbelung auf Pump
zurückhält, sollte diesen gravierenden Unterschied
bedenken. Exportnationen
wie Deutschland sollten deshalb zunächst einmal nur in
die eigene Infrastruktur investieren, also mehr Geld
ausgeben für den Straßenbau, für die
Sanierung öffentlicher Gebäude usw. Diese
Einseitigkeit hat allerdings den Nachteil, dass viele
notleidende Branchen damit nicht erreicht werden
können. Was hat
die Globalisierung mit der prekären Finanznot der
Staaten zu tun? Anstatt
Geld einzunehmen (Zölle) müssen Subventionen
gezahlt und Steuernachlässe gewährt werden, um
noch schlimmere Produktionsauslagerungen ins Billigausland
zu vermeiden. Außerdem
wächst in den Industrieländern seit 30 Jahren
(also seit Beginn der Globalisierung) der Wohlstand (und
damit auch die Steuereinnahmen) nicht mehr. Zwar
steigt auch weiterhin die Produktivität (wegen des
technischen Fortschritts) - aber weder Staat noch
Bevölkerung profitieren davon - weil das Geld in
unkontrollierbare dunkle Kanäle fließt (bei
Spekulanten und in Steueroasen landet). Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 8. Akt Was
tun, wenn alle Anstrengungen nicht
ausreichen? Der
Staat kann also nur abwarten in der Hoffnung, dass das
Notprogramm ausreichend und der Spuk bald vorüber ist.
Nur bei aktuell aufkommenden Schwierigkeiten und sich
abzeichnenden Fehlentwicklungen wird er zusätzlich
reagieren. Aus
der Not eine Tugend machen... Würde
hierzulande eine Mehrwertsteuererhöhung um 3 oder 4 %
angekündigt, hätte dies eine belebende Wirkung,
weil manche Anschaffungen vorgezogen würden. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 9. Akt Was
tun, wenn Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung immer
weiter anwachsen? Dann
bleiben dem Staat eigentlich nur noch unpopuläre
Notmaßnahmen: Steuererhöhungen und/oder
Ausgabenkürzungen. Beide Maßnahmen
führen nicht nur zur Verringerung der Kaufkraft (wirken
also wirtschaftshemmend), sie werden auch von den
Betroffenen selten widerstandslos hingenommen. Aufruhr und
Proteste seitens der Bevölkerung könnte der Krise
neue Nahrung liefern. Welche Notmaßnahmen für
Deutschland denkbar wären, können
Sie
hier
nachlesen. Theoretisch
wäre noch eine dritte Problemlösung möglich:
Der Staat könnte die Notenpresse anwerfen und
sich dadurch entschulden. Doch eine solche Geldvermehrung
ist ein gefährliches Vabanquespiel und könnte
leicht außer Kontrolle geraten. Wer
die Notenpresse zur Konjukturbelebung und staatlichen
Schuldentilgung missbraucht, zerstört wichtige
merktwirtschaftliche Grundprinzipien. Wie
eine staatlich veranlasste Geldschwemme zu einer
galoppierende Inflation ausarten kann, hat Deutschland in
den Jahren 1921 bis 1923 durchlebt. Damals waren die
Besitzer von Geldvermögen und Staats- und
Kriegsanleihen die großen Verlierer - wer Schulden
hatte, zählte zu den Gewinnern. Eigentlich
gibt es sogar noch einen vierten Lösungsansatz. Der
Staat könnte die weitere Verschuldung in Kauf
nehmen in der Hoffnung, dass irgendwann die Konjunktur doch
noch anspringt. Aber auch diese Idee birgt große
Gefahren. Denn
es gilt: Je höher die Staatsverschuldung, desto
geringer das Vertrauen der Geldgeber - die Zinslast für
den Staat steigt. Ausufernde Staatsverschuldungen erweisen
sich zudem als schwere Hypothek für die Zukunft, der
Gestaltungsspielraum engt sich ein, das Vertrauen in den
Staat und seine Volkswirtschaft lässt nach,
Leistungsträger verlassen das Land. Denn
alle wissen: Am Ende droht bei zu hoher Staatsverschuldung
doch wieder die Entschuldung über die
Notenpresse. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 10. Akt Wenn
alle Dämme brechen hilft nur noch der
Zollprotektionismus... Es
wird auch in der aktuellen Krise der letzte Rettungsanker
sein. Sollten alle Anstrengungen nichts nützen, werden
trotz aller heiligen Schwüre viele Länder sich
doch wieder an dieses alte Erfolgsrezept
erinnern. Exportnationen
sind besonders übel dran... Deutschland
produziert kaum noch alltäglich benötigte
Verbrauchsartikel wie Bekleidung, Schuhe, Handys, Computer,
Fernseher usw. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 11. Akt In
einem überschaubaren Binnenmarkt kann sich die
Wirtschaft endlich wieder erholen... Bei
angemessenen Zöllen als wirkungsvolle Schutzbarriere
gegen Dumpingimporte greifen auch verbraucherfreundliche
Konjunkturmaßnahmen besser. Werden in einem zollfreien
Markt Steuern gesenkt und der Konsum angekurbelt, verliert
sich die Anschubwirkung weitgehend, weil das
zusätzliche Geld häufig nur dem Kauf weiterer
Importprodukte dient. "Höhere
Zölle machen doch alles teurer..." Der
regulierende Zoll erlaubt unserer Wirtschaft eine
Produktionsaufnahme selbst in den Bereichen, die schon vor
langer Zeit in Deutschland "ausgerottet" wurden und
hochnäsig als zu simpel für
unsere
"Herrenrasse"
eingestuft wurden (Bekleidung, Computer, Handys,
Haushaltsartikel, Büromaschinen usw.). Und
außerdem: Die höheren Zolleinnahmen stellen keine
zusätzliche Belastung für die Bürger dar,
weil dafür an anderer Stelle Steuern und
Sozialversicherungsbeiträge gesenkt werden
können. Finanzkrise Ursachen
und Folgen der Finanzkrise: 12. Akt Es
folgen falsche Schuldzuweisungen... So
wie es auch nach den Krisen in
den
1870er
und
1930er
Jahren
der Fall war. Wieder wird der Spieß umgedreht werden
und die Zölle, die das desolate Wirtschaftsgefüge
entflochten und die verzerrten Märkte beruhigt und
geheilt haben, von der Kapitallobby als Teufelswerk
verurteilt werden. Und
dann geht wieder alles von Neuem los: Mit allen legalen und
illegalen Mitteln (Propaganda, Korruption, Bestechung) wird
eine neue Freihandelsrunde eingeläutet werden, so als
ob man aus den alten Krisen nie etwas gelernt
hätte. Warum
das so ist, liegt auf der Hand
(siehe
Kapitalistisches
Ermächtigungsgesetz).
Phase
1
Durch
Fehleinschätzung des Marktes und großzügig
vergebene günstige Kredite entsteht eine
übertriebene Kauflaune. Weil der Vorgang sich
schleichend vollzieht, erkennen viele Käufer nicht,
dass die Preise für Immobilien oder Aktien eigentlich
über das normale Maß hinausgeschossen sind. Man
vertraut allgemein darauf, dass ein seit Jahren anhaltender
Trend sich weiter fortsetzt.
Was
sind reelle Marktpreise - woran erkannt man die
Übertreibung?
1. Jeder, der zum überhöhten Preis etwas kauft,
befindet sich verständlicherweise auf der
Verliererseite.
Wer 100.000 Euro für ein Haus ausgibt, welches bei
einer neutralen Bewertung nur die Hälfte kosten
würde, lebt auf einem Pulverfass.
Sobald der Markt dreht, verliert er sein Geld.
Leidtragende sind im Besonderen die Bankangestellten und
Aktionäre.
1. Der Verkäufer, der seine Immobilien (seine Aktien)
in der Hochpreisphase noch rechtzeitig abstoßen
konnte.
Viele Marktakteure befinden sind sowohl in der Täter-
als auch in der Opferrolle.
Sie konnten ihr Häuschen zu einem überhöhten
Preis losschlagen, haben sich dann aber gleichzeitig von dem
Erlös ein größeres Haus zugelegt.
Ein netter Gewinn steht somit einem noch höheren
Realverlust gegenüber.
Für die künstliche Wirtschaftsankurbelung und dem
vorgezogenen Konsum wird erst viele Jahre später die
Rechnung präsentiert. Aber dann haben viele Spekulanten
bereits kräftig abgesahnt und Politiker ihre
Profilierungssucht ausgelebt.
Phase
2
Wenn
nun der überhitzte Markt einbricht und die
Immobilienpreise (Aktien) fallen, befinden sich
urplötzlich vorher gutsituierte brave Bürger in
der Schuldenfalle. Ihre Vermögenswerte schmelzen dahin
- die Verbindlichkeiten aber bleiben bestehen und
können rasch die Habenseite
übertreffen.
Gerade in Ländern, in denen variable Hypothekenzinsen
üblich sind (wie in den USA) wirkt sich dies fatal aus:
Fallende Häuserpreise gehen einher mit wachsenden
monatlichen Belastungen.
Hypotheken mit variablem Zins gehören meines Erachtens
verboten.
Ein variabler Zins ist ein zusätzlicher
Spekulationsfaktor.
In Niedrigzinsphasen werden unbedarfte Menschen zu
Investitionen verführt, die sie bei 10jähriger
Zinsfestschreibung nie tätigen würden.
Phase
3
Wer
plötzlich mehr für seine Hypotheken aufbringen
muss, kann weniger konsumieren. Und wer feststellt, dass
seine ehemalige Guthabenbilanz sich ins Minus verkehrt hat
(Verschuldung höher als eigene Vermögenswerte),
wird sich bei Neuanschaffungen notgedrungen
zurückhalten.
Damit nimmt nun ein Teufelskreis seinen verheerenden
Lauf.
Phase
4
Wenn
der Absatz einbricht, verstärkt sich im Handel und in
der Produktion der Verdrängungswettbewerb.
Autobauer und Autohändler versuchen dann zum Beispiel,
mit Rabattaktionen Kunden doch noch zum Kauf zu animieren.
Dadurch sinken überall die Renditen - viele Firmen
rutschen trotz aller Anstrengungen in die
Verlustzone.
Phase
5
In
schwierigen Zeiten sind Finanzinstitute bei Kreditvergaben
zurückhaltender, denn das Ausfallrisiko steigt
natürlich.
Gleichfalls vorsichtiger werden die Warenkreditversicherer,
so dass schwächelnden Firmen die notwendige Warenzufuhr
ausgeht und deren Lieferanten manche treuen Kunden
verlieren.
Wegen des jahrzehntelangen globalen Dumpingwettbewerbs
fehlt es ihnen häufig an Rücklagen, mit denen
sie Durststrecken überwinden könnten. Eine neue
Konkurswelle baut sich auf und die Arbeitslosigkeit nimmt
zu.
Firmen, denen das Wasser finanziell bis zum Hals steht,
unterbieten fast alles, um den drohenden Konkurs abzuwenden
oder hinauszuzögern.
Dann sind nämlich nicht die inländischen
Wettbewerber die Nutznießer der Bereinigung, sondern
die ausländische Billigkonkurrenz (wegen fehlender
Importzölle).
Phase
6
Was
macht ein Staat, dem eine Rezession ins Haus steht und
dessen Wirtschaft unter einer restriktiven Kreditvergabe
leidet?
Natürlich: Es werden zunächst einmal die
Leitzinsen gesenkt und, wenn die Finanzwelt wie 2008 selbst
zum Sanierungsfall geworden ist, auch noch
großzügige Bürgschaften an die Banken
vergeben.
Auf diesen Weise entstehen dann auch immer wieder trotz
allgemein sinkender Kaufkraft neue gigantische
Einkaufspaläste und Erlebniswelten.
Phase
7
Die
Regierungen in den einzelnen Staaten stehen vor einer
Herkulesaufgabe - sie sollen den Absturz der Wirtschaft und
eine aufkeimende Depression verhindern, obwohl (wegen der
Globalisierung) Kommunen, Bundesländer und Staaten
bereits hochverschuldet sind und selbst in besseren Zeiten
ausgeglichene Staatshaushalte unerreichbar
scheinen.
Wenn Deutschland als Import-Vizeweltmeister (nur die USA mit
vierfacher Einwohnerzahl importiert noch mehr als
Deutschland) sein Pulver (seine Geldmittel) zu schnell
verschießt, kann das später böse Folgen
haben.
Es ist ganz einfach: Die Umkehr vom üblichen
Zoll-Protektionismus zum Subventions-Protektionismus macht
die Staaten arm und das Kapital und die Konzerne zu den
Herrschern der Welt.
Phase
8
Ob
die Maßnahmen der Regierungen greifen, lässt sich
in einem nahezu unüberschaubaren vernetzten Weltmarkt
seriös kaum vorhersagen (weil die Bedingungen in jedem
Land anders sind und niemand weiß, wie sich die
unterschiedlichen Hilfsprogramme und globalen Verflechtungen
letztlich auswirken und wann sich das Konsumverhalten wieder
normalisiert).
Deutschland (und andere Länder natürlich auch)
hätten in dieser Notlage die Möglichkeit, gleich
zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.
Voraussetzung wäre, dass die Mehrwertsteuereinnahmen
sinnvoll eingesetzt werden, nämlich zur völligen
Abschaffung der Beiträge zur Pflegeversicherung und der
GEZ-Gebühren.
Dies
brächte gleich mehrere Vorteile...
Phase
9
Wegbrechende
Steuereinnahmen und teure Konjunkturprogramme stellen den
Staat vor immer größere Finanzierungsprobleme.
Wenn die Krise anhält und die Konjunktur nicht
anspringt, wird es wirklich eng.
Es ergeben sich manipulierte Zinssätze (abhängig
von der Höhe des Diskontsatzes), es erhöht sich
die Gefahr der Inflation (sobald die Wirtschaft wieder Tritt
fasst oder die Diskontsätze angehoben werden) und neuer
Spekulationsblasen (weil seriöse Geldanlagen keine
Renditen mehr abwerfen). Außerdem verführt die
Politik des billigen Kunstgeldes viele Staaten zur weiteren
Schuldenaufnahme.
Für die Euro-Staaten scheint ohnedies eine
Schuldentilgung über die Notenpresse kaum realistisch,
weil eben die einzelnen Staaten über keine eigene
Währung mehr verfügen und eine gemeinsame Aktion
eine Schulden-Transferunion heraufbeschwören
würde, die durch die Euro-Verträge
glücklicherweise ausgeschlossen ist. Oder wird man sich
auch daran nicht mehr erinnern wollen?
Phase
10
Zölle
wurden massiv von der Kapitallobby schlechtgeredet, weil sie
deren Machtbasis untergräbt. Dabei wurden in der
Vergangenheit große
Weltkrisen
(die
durch einen vorausgegangenen zu starken weltweiten
Dumpingwettbewerb ausgelöst wurden), durch eine
Renaissance der Zollgrenzen behoben (auch wenn die
Kapitallobby diese Tatsache nicht wahrhaben
will).
Wenn die Weltkonjunktur einbricht, sind es vor allem die
Exportnationen, die darunter leiden.
Vor allem solche Exportnationen, deren Wirtschaft nur noch
einen bescheidenen Anteil zur Versorgung der eigenen
Bevölkerung beiträgt.
Auch in Krisenzeiten muss dies alles vom Ausland
eingeführt werden.
Die deutschen Export-Schwergewichte Fahrzeug und
Maschinenbau fallen dagegen wegen sinkender
Auslandsnachfrage stark zurück.
Phase
11
Wird
die eigene Wirtschaft vorm brutalen globalen
Dumpingwettbewerb abgekoppelt, kann sie endlich wieder frei
durchatmen und genesen. Angemessene Importzölle, die
den Welthandel ja nicht unterbinden, sondern lediglich die
größten Wettbewerbsverzerrungen ein wenig
ausgleichen, erlauben vielen Unternehmern, auch bei
höheren Löhnen und Steuern als in Asien ihre
Produktion aufrechtzuerhalten oder gar neu
aufzubauen.
Eine Importnation wie Deutschland stimuliert mit einer
Lohnsteuersenkung also hauptsächlich die
ausländische Konkurrenz.
Wir alle kennen die Primitiv-Propaganda, nach dem eine
Anhebung der Zölle die Waren verteuert und damit den
Wohlstand mindert.
Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall: Höhere
Zölle sichern der heimischen Wirtschaft das
Überleben und erhalten und schaffen
Arbeitsplätze.
Die Unabhängigkeit vom globalen Dumpingwettbewerb
erlaubt eine Lohn- und Rentenentwicklung entsprechend dem
Produktivitätszuwachs - der Wohlstand wächst, auch
wenn vielleicht eine Reihe von Importwaren teurer
werden.
Phase
12
Nach
geglückter Rettungsaktion und einer Normalisierung der
Wirtschaft und nach einer Phase steigenden Wohlstands,
verbunden mit einer kontrollierbaren und überschaubaren
Finanz- und Wirtschaftswelt, wird die Kapitallobby wie
gehabt die Schuld für die überwundene
Weltwirtschaftskrise dem
Protektionismus
(den Zöllen) anlasten.
Sind Sie der gleichen oder ganz anderer Meinung? Kommentar zu diesem Artikel (Nr. 806) abgeben?
© Manfred J. Müller, Flensburg, Januar 2009
Ab
sofort im Internet-Buchhandel lieferbar:
Die
Welt ist anders, als uns vorgegaukelt
wird! Wer
dieses merkwürdige Paradoxon verstehen möchte,
findet im Buch "DAS KAPITAL und die Globalisierung" die
entlarvenden Antworten. DAS
KAPITAL
und die Globalisierung Was
macht es für einen Sinn, den wirklich relevanten Fragen
immer wieder auszuweichen und nur auf politische Korrektheit
(was immer das auch sein mag) zu achten?

Die
Menschheit wird systematisch verdummt! Globalisierung und EU
funktionieren nicht so, wie man uns einzureden versucht.
Deshalb erleben wir seit über 30 Jahren einen
beispiellosen Reallohnabstieg trotz stetig steigender
Produktivität.
Ohne falsche Rücksichtnahmen werden die schlimmsten
politischen Irrtümer und Fehler aufgedeckt und die
überfälligen Korrekturmaßnahmen
angemahnt.
Nur Einsicht und Offenheit kann Deutschland (und die
westliche Welt) noch vor dem Untergang retten!
Plädoyer
für die Entmachtung des Kapitals und die
Rückbesinnung zur
Marktwirtschaft.
Autor Manfred J. Müller, 172 Seiten, Format 17x22
cm,
13,50 Euro
Manfred Julius Müller analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und veröffentlicht brisante Aufsätze zu den heikelsten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in wichtigen Bereichen die Gesetzgebung beeinflussten. Seine Websites erreichen im Jahr etwa eine Million Besucher. Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a. die Trilogie "DAS KAPITAL".