Staatliche Notmaßnahmen
Was tun,
wenn Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung immer weiter
anwachsen?
Wie könnte der Staat seine Einnahmen erhöhen, ohne die Konjunktur noch weiter abzuwürgen?
1.
Maßnahme im Kampf gegen das ausufernde Haushaltsdefizit:
Mehrwertsteuererhöhung
Eine
Erhöhung der Mehrwertsteuer ist immer noch die Maßnahme,
die der Wirtschaft am wenigsten schadet, weil
a) auch die Importe teurer werden (eingeführte Waren sich also stärker an der Staatsfinanzierung beteiligen müssen)
b) das Ungleichgewicht Arbeit zu Kapital sich verringert. Wegen der hohen Abgabenlast auf den Faktor Arbeit kommt es heute häufig zu unrentablen (arbeitsschädlichen) Rationalisierungen.
Vor allem könnte der ermäßigte Mehrwertsteuersatz endlich einmal um einige Prozentpunkte angehoben werden.
Nachdem ich nun schon über 25 Jahre für eine Umfinanzierung der Sozialsysteme kämpfe (Lohnkostenreform), nachdem ich immer wieder in Fachartikeln und Büchern die vielen Vorteile erläutert habe, vertreten zunehmend auch neutrale Wirtschaftsinstitute meine Thesen. Auch die griechische Regierung sieht das offenbar so und will die Mehrwertsteuer von 19 auf 23 Prozent anheben.
Mehr zum Thema Mehrwertsteuererhöhung...
2.
Maßnahme zur Eindämmung des Haushaltsdefizits:
Pendlerpauschale
gänzlich abschaffen.
Auch eine
Pendlerpauschale ist eine Subvention, die von Unbeteiligten bezahlt
werden muss. Warum soll jemand, der sich über Jahrzehnte
weigert, seinen Wohnsitz in die Nähe seines Arbeitsplatzes zu
verlegen, von der Allgemeinheit alimentiert werden?
Warum soll die oft unnötige Energievergeudung und Umweltzerstörung staatlich gefördert werden? Warum soll die Allgemeinheit lange Arbeitswege finanzieren, bei denen es jährlich zu Tausenden von Toten und Schwerverletzten kommt?
3.
Maßnahme zur Eindämmung des Haushaltsdefizits:
Luxussteuern
für Pkw's?
Wir schauen
oft neidisch auf Nachbarländer, in denen es seit Jahrzehnten
besser läuft - wir weigern uns aber, daraus die richtigen Lehren
zu ziehen.
Die wohlhabenden skandinavischen Länder erheben seit Jahrzehnten
saftige Luxussteuern (ca. 100 %) auf Autos. Ich weiß, "das Auto
ist des Deutschen liebstes Kind", aber trotzdem kann man doch
über eine solche Pkw-Sondersteuer ruhig einmal nachdenken. Sie
ist allemal sozialer
als die absurd hohen Lohnnebenkosten, die die deutsche Arbeit im
internationalen Wettbewerb zunehmend unbezahlbar
machen.
Warum also nicht? Warum nicht mit einer 5-%-Pkw-Sondersteuer beginnen - richtig terminiert kann sie sogar noch als Konjunkturprogramm dienen (viele Käufer werden noch vor Inkrafttreten der Steuer zugreifen wollen). Ein Konjunkturprogramm, das nichts kostet und viel gerechter ist als die teure Abwrackprämie.
Das Tolle ist: Bei dieser Steuerart ist eine Steuerhinterziehung nahezu ausgeschlossen und sie ist sozial (wer sich ein teures Auto leistet zahlt auch höhere Steuern).
Optimal wäre, diese neue Steuer mit der Abschaffung der Versicherungsbeiträge für die Pflegeversicherung und der ungerechten GEZ-Gebühren zu kombinieren. Das könnte einen Unmut in der Bevölkerung verhindern und gleichzeitig unsere Wirtschaft konkurrenzfähiger machen (also Arbeitsplätze erhalten und schaffen).
4.
Maßnahme zur Eindämmung des Haushaltsdefizits:
Anhebung
der Lkw-Maut
Für
die Bundesbürger ist der unablässige Transitverkehr auf den
deutschen Straßen eine schwere Last. Der durch den Wegfall der
Zollgrenzen ins aberwitzige angestiegene Transport von
Massengütern auf den Fernstraßen erweist sich nicht nur
als äußerst teuer und lästig (Verkehrsstau,
ständige Baustellen), er gefährdet auch im hohen Maße
die Gesundheit und das Leben der Bundesbürger (belastete
Lebensmittel, Luftverschmutzung, Verkehrstote).
Warum aber
sollen die Bundesbürger nur die vielen Nachteile dieses
künstlich angekurbelten Transitverkehrs in Kauf nehmen,
warum nicht aus der Not ein Tugend machen und die zentrale Lage in
Europa (die eine Reihe von Nachteilen mit sich bringt) auch als
Einnahmequelle nutzen?
Die Lkw-Maut ist bislang viel zu niedrig, weil sie die hohen
Folgeschäden nur zum geringen Teil auffängt (vor allem,
wenn ausländische Lkw's nicht einmal bei uns tanken).
Mehr
dazu...
5.
Maßnahme zur Eindämmung des Haushaltsdefizits:
Höhere
Einkommenssteuern, Erbschafts- und
Vermögenssteuern?
Die
populistischen Marktschreier, die für höhere Einkommens-,
Erbschafts- und Vermögenssteuern eintreten, verheimlichen leider
immer wieder das wichtigste Gegenargument: Was nützen hohe
Reichensteuern,
wenn man die Goldesel aus dem Land vergrault?
Reichensteuern machen nur Sinn, wenn man gleichzeitig den
Begüterten und Besserverdienern ein
Ausreiseverbot
erteilen würde (das kann im Ernst aber keiner
wollen).
Ansonsten wird man die gleiche Erfahrung machen wie Schweden mit dem gescheiterten Versuch einer Börsenumsatzsteuer: Die erhofften Einnahmen bleiben aus. In einer globalisierten Welt ist es für viele Reiche und gutbezahlte Leistungsträger kein Problem, sich in gastlichere Länder abzusetzen, wo sie mit offenen Armen empfangen werden.
Die abenteuerlichen Luftbuchungen, den den Leuten vorgaukeln, derlei Reichensteuern bringen 50, 100 oder gar 200 Milliarden zusätzliche Einnahmen, halte ich für einen Skandal, für pure Menschenverdummung.
6.
Maßnahme zur Eindämmung des Haushaltsdefizits:
Steuerschlupflöcher
schließen...
Es ist zwar
ein alter Hut, aber es darf dennoch nicht unerwähnt bleiben:
Durch diverse Steuerschlupflöcher entgehen dem Fiskus
jährlich einige Zigmilliarden Euro.
Mehr
dazu...
7.
Maßnahme zur Eindämmung des Haushaltsdefizits:
Mit
Filialsteuern dem Monopolisierungstrend entgegenwirken...
Durch die
unaufhaltsame Filialisierung vor allem im Einzelhandel haben unser
Städte bereits einen Großteil ihres Charmes und
Eigencharakters eingebüßt. Aber bei diesem unseligen
Vereinheitlichungstrend geht es nicht nur ums Stadtbild und den
Identitätsverlust - weit wichtiger ist der daraus resultierende
gefährliche Monopolisierungstrend. Mehr
dazu...
8.
Maßnahme zur Eindämmung des Haushaltsdefizits:
Anhebung
der Importzölle?
Importzölle
gelten in unserer vom Kapital
dominierten Zeit
als absolutes Tabuthema. Wenn es aber einmal gelingen sollte,
eingeimpfte Vorurteile und idelogische Scheuklappen abzulegen wird
man erkennen, dass der Zoll-Protetionismus
keineswegs bösartiger sein muss als der praktizierte
Subventions-Protektonismus.
Hier schlummert ein großes Einnahmepotential, auf das sich andere Länder inzwischen längst wieder besonnen haben (ohne dass dies zu großen Vorwürfen oder Sanktionen führte).
Wenn man die Sache behutsam angeht, ist sicher auch die Zollanhebung eine durchaus vernünftige Option. Wer aber bei diesem Gedanken entsetzt aufschreit und einwendet "Wir als Exportweltmeister können doch nicht..." verkennt meines Erachtens die Sachlage und hat die Zeichen der Zeit immer noch nicht verstanden.
9.
Maßnahme zur Eindämmung des Haushaltsdefizits:
Anhebung
des Diskontsatzes
Seit gut
eineinhalb Jahren verleiht nun die EZB
"erfundenes bzw. frisch gedrucktes
Geld" zum
Minizins von 1 Prozent an die Privatbanken. Man hielt die
Billiggeldschwemme für notwendig, um die eingebrochene
Konjunktur zu stützen (Investitionsanreize zu
schaffen).
Aber diese Billiggelder haben leider fatale Nebenwirkungen: Sie zersetzen die Marktkräfte, verleiten zur Akzeptanz großer Haushaltsdefizite - vor allem aber öffnen sie der Spekulation Tür und Tor. Denn wenn eine seriöse Spargeldeinlagen kaum noch eine Rendite abwirft, gewinnen andere (riskantere) Anlageformen zunehmend an Attraktivität.
So flüchtet
das wegen des billigen Niedrigdiskontsatzes überreichlich
vorhande Geld notgedrungen in Aktienmärkte, Rohstoffe,
Edelmatalle, Boden, Hedgefonds usw. und treibt der Preise hoch
(erneute Blasenbildung). Die Regierungen der Euro-Staaten schimpfen
auf die bösen Spekulanten, ohne auch nur im Traum daran zu
denken, dass sie selbst es eigentlich sind, die diesen Hype
auslösen.
Nutznießer der Billiggeldstrategie sind in erster Linie die
Großanleger, also die Versicherungen, Pensionskassen, Banken
und Hedgefonds, die ihre Gewinne dank der EZB vervielfachen
können.
Wenn die EZB dieses gefährliche Spiel mit dem Feuer wirklich beenden wollte, müsste sie endlich gegensteuern, also wieder den Diskontsatz auf das Niveau vor der Krise anheben. Dadurch könnte die EZB auch wieder saftige Gewinne an ihre Mitgliedsstaaten überweisen.
Seit fast einem
Jahr nun bombardiert man die deutsche Bevölkerung mit
Erfolgsmeldungen: mehr Export, mehr Wachstum und längst auch
sinkende Arbeitslosenzahlen. Traut man seinen eigenen Zahlen nicht
mehr oder ist Deutschland wieder einmal Opfer
der Multikulti-Einheitswährung,
die auf nationale Belange keinerlei Rücksicht nehmen kann?
Wann endlich will die EZB den Diskontsatz wieder anheben, wie lange
will sie noch die natürlichen Marktkräfte außer Kraft
setzen?
10.
Maßnahme zur Eindämmung des Haushaltsdefizits:
Angleichung
der Mineralöl- und Tabaksteuern in der EU
Manche
Staaten genießen gerne die Vorzüge der EU (z. B. hohe
Transferzahlungen), sind aber nicht bereit, ihre
Dumpingsteuersätze an das Niveau der Geberländer
anzupassen.
Nur ein Beispiel: Jede 5. Zigarette wird in Deutschland illegal eingeführt, allein dadurch entsteht dem deutschen Fiskus ein Steuerschaden von vier Milliarden Euro jährlich.
Bezüglich
entgangener Mineralölsteuer ist der Schaden noch
größer: Würden alle Pkws und Lkws auf deutschen
Straßen auch hier tanken, könnte sich der Fiskus über
zusätzliche Einnahmen von etwa zehn Milliarden Euro freuen (Jahr
für Jahr).
Die Bundesbürger bauen teure Straßen, leiden unter
irreperablen Lärm-, Umwelt- und Gesundheitsschäden, unter
Verkehrsstaus und erhöhter Unfallgefahr - und getankt wird im
Ausland. So kann ein Staat nicht funktionieren.
Warum schafft es die EU nicht, einheitliche Mineralölsteuern zu verordnen (dann wäre zumindest dieses böse Schmarotzertum aus der Welt geschafft). Überall mischt sich Brüssel ein, alles will sie vorschreiben - aber wenn es um wirklich notwendige Vereinheitlichungen geht, schaut sie weg.
Bei diesen zehn Punkten möchte ich es bezüglich neuer Einnahmequellen belassen (obwohl es natürlich noch zahlreiche anderer Möglichkeiten gäbe).
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Lesen Sie weiter: Wo könnte der Staat sparen?
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© Manfred J. Müller, Flensburg, Juli 2009 (Punkt 9 und 10 im April 2010 ergänzt)
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Lässt
sich überhaupt das Kapital kultivieren?
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Ist
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vernünftig? Oder wird damit die Energievergeudung und
Unwirtschaftlichkeit staatlich gefördert?
Die
Umfinanzierung der
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Die
Finanzierung der Pflegeversicherung über lohnbezogenen
Beiträge verteuert zusätzlich die ohnehin schon hohen
deutschen Arbeitskosten. Das darf und das muss auch nicht
sein.
Die
unsichtbaren Grenzen des
Sozialstaats
Die
Belastungsgrenze des Sozialstaates ist längst
überschritten. Die Erwerbstätigen können gar nicht
mehr erwirtschaften, was Politiker im Wahlrausch so alles
versprechen. Erfolgt eine Umverteilung bis zum Untergang?
Wie
lassen sich Steueroasen austrocknen?
Ist
der Staat machtlos gegenüber Steuertricksern?
Sie
hätten das Doppelte verdient!
Viele
wollen es einfach nicht wahrhaben - ohne Zollabbau (also ohne
globalen Dumpingwettbewerb) wären die deutschen Arbeitseinkommen
und Renten etwa doppelt so hoch wie sie es heute sind.
Weitere interessante Seiten finden Sie auf www.anti-globalisierung.de, www.kapitalismus-online.de, www.weltwirtschaft-globalisierung.de, www.parlamentswahlen.de
Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und
veröffentlichte unzählige Aufsätze zu den
verschiedensten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die
weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen Ländern
in wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten.
Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a.
"Das
Kapital und die Globalisierung".