Sind Kapitalertragssteuern zu niedrig?

Der deutsche Spitzensteuersatz beträgt inklusive Solidaritätszuschlag 47,5 %,
Kapitalgewinne werden aber nur zu 25 % besteuert.
Ist das ungerecht?

Die Handhabung mit der Kapitalertragssteuern führt (meistens aus Unwissenheit) immer wieder zu Unmut und einem Gefühl einer Lobbypolitik. Kapitalerträge (also zum Beispiel Zinsen und Dividenden) werden nicht dem üblichen Spitzensteuersatz unterzogen, sondern mit einem pauschalen Steuer von 25 % abgegolten.
Dies ist aber nur scheinbar eine Gerechtigkeitslücke. Weil die Geldentwertung eines Vermögens nicht eingepreist wird!

Ein Beispiel: Jemand hat 100.000 Euro auf seinem Sparbuch und erhält auf diese Summe 1,5 Prozent Zinsen. Die jährlich anfallenden 1500 Euro "Gewinn" werden mit 25 % besteuert.
Aber im gleichen Zeitraum verringert sich das Geldvermögen entsprechend der Inflationsrate. Bei einem Werteverfall von 2,5 Prozent sieht die Gesamtrechnung dann folgendermaßen aus:

Die ursprünglichen 100.000 Euro haben nach 12 Monaten nur noch einen realen Wert von 97.500 Euro, hinzu kommen 1500 Euro an Zinserträgen abzüglich 375 Euro Steuern. Insgesamt verringert sich also der Wert dieser Geldanlage auf 98.625 Euro (also um 1375 Euro).
Wenn man dann noch bedenkt, dass das Geldvermögen im Normalfall aus bereits versteuertem Einkommen aufgebaut wurde, kann doch wirklich von einer "Bevorzugung" der Kapitalerträge nicht die Rede sein.

Das gleiche Prinzip gilt auch bei den Dividendeneinnahmen aus Aktien.
Auch dort werden die Dividenden besteuert, obwohl sich der Wert der Aktien womöglich dramatisch verringert hat.
Selbst die als Spekulationsgewinnler verschrieenen Banken haben gewaltig gelitten - ihre Besitzer (die Aktionäre) haben im Schnitt seit der Jahrtausendwende mindestens 50 % Verluste hinnehmen müssen.

Wenn also ein Bankmanager von einer Wunschrendite von 25 % spricht, sollte man schon unterscheiden zwischen Wunsch (Propaganda) und Wirklichkeit und auch genau hinhören, auf welche Bezugsgröße sich die Wunschrendite überhaupt aufbaut.
Denn für den Aktionär zählt nicht irgendein theoretisches "Grundkapital", sondern ausschließlich die Rendite seiner Investition - und hier dürfte das Ergebnis selbst bezüglich der renommiertesten europäischen Bankhäuser zumindest seit Einführung des Euro ausgesprochen negativ ausfallen.

Wieder einmal klaffen öffentliche Wahrnehmung und Realität weit auseinander:
Die Besitzer von Bankaktien sind nicht die Absahner und Krisengewinnler (als welche sie gerne dargestellt und gescholten werden), sondern in Wirklichkeit die großen Verlierer.

 

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© Dieser Text ist die Zusammenfassung einer Studie des Wirtschaftsanalysten und Publizisten Manfred J. Müller aus Flensburg
. Erstveröffentlichung 2010. Impressum


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